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Blockchain Technologie gibt Schubkraft für den grünen Energiesektor

Die Blockchain Technologie und Energiemonitore – ein starkes Team für ein dezentrales, erneuerbares Energienetz

Gastbeitrag von Stefan Grosjean, CEO und Gründer von Smappee


Summary:

Die Potenziale der erneuerbaren Energien werden längst nicht ausgeschöpft. Dabei rücken die Bedrohungen durch den Klimawandel in greifbare Nähe. Abhilfe schaffen können neue revolutionäre Technologien, wie beispielsweise die Blockchain Technologie. Anhand konkreter Beispiele erklärt Stefan Grosjean, CEO und Gründer von Smappee im nachfolgenden Beitrag die Vorteile der Technologie und wie sie sich im EnergieSystem der Zukunft nutzen lässt.   

Beitrags-Tags: Blockchain Technologie, SolarCoin, Micro-Grid, Energiemonitore, grüner Strom


Die Bedrohungen durch den Klimawandel liegen nicht mehr in weiter Ferne. Zunehmend werden wir mit extremen Wetterphänomen konfrontiert, wir erwarten einen Anstieg der Meeresspiegel und müssen mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversität und unsere Nahrungsmittel- und Wasservorräte rechnen. Um die Bedrohungen durch den Klimawandel abzufedern, hat die Förderung von erneuerbaren Energien höchste Relevanz.

Die Nutzung von erneuerbaren und grünen Energiequellen ist in aller Munde, aber die schiere Menge an Energie, die benötigt wird, um den sehr volatilen Bedarf zu decken sowie diverse Restriktionen erschweren die Einführung in den Mainstream. Außerdem erhält die breite Bevölkerung noch zu wenig Anreize, um tatsächlich den Schritt in die aktive Nutzung von erneuerbaren Energien zu wagen.

Glücklicherweise versprechen revolutionäre Technologien, wie beispielsweise Blockchain Technologie, neue Schubkraft für den grünen Energiesektor. Blockchain erlaubt es Konsumenten Energie zu produzieren und diese mit anderen Verbrauchern innerhalb eines direkten Peer-to-Peer Netzwerks zu handeln. Auf diese Weise hat sich zum Beispiel eine Nachbarschaft in Brooklyn, New York, als eine der ersten privaten Initiativen, organisiert. Innerhalb einer Straße errichteten die Bewohner einen Micro-Grid, der es den Haushalten erlaubt über die Blockchain Technologie untereinander Handel mit Energie zu betreiben.

Eine andere Blockchain Initiative im Energiesektor ist zum Beispiel die Integration von digitalen Währungen in Energiemonitore. Deren einfaches Set-Up verspricht einen universellen Weg zur Förderung von erneuerbaren Energien. So wurde beispielsweise die virtuelle Währung SolarCoin in die smarten Energiemonitore von Smappee integriert. Mit jedem über die Solaranlage produzierten Kilowatt Strom, erhält der Smappee-Nutzer nun einen SolarCoin. Über diese Gutschrift wird die Produktion von grünem Strom direkt honoriert. So können SolarCoins ähnlich wie Bitcoins in reales Geld eingetauscht werden – auch wenn der Gegenwert zu diesem Zeitpunkt noch gering ist. Je mehr Privatleute und auch Organisationen in die von der ElectricChain-Initiative ins Leben gerufene Kryptowährung SolarCoin investieren, umso höher steigt auch ihr Marktwert.

Wie diese Beispiele zeigen, befinden wir uns, dank den Möglichkeiten die die Blockchain Technologie bietet, am Beginn einer tiefgreifenden Umwälzung des Energienetzes. Zum einen wird diese gekennzeichnet sein von einer größeren Bedeutung der erneuerbaren Energien, zum anderen von einer zunehmend dezentralen Energieversorgung in der die Prosumer in wachsendem Maße unabhängig agieren.

Die dezentrale Energieproduktion auf Verbraucherebene

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Energieproduktion immer stärker dezentralisiert wird. Was aber häufig unberücksichtigt bleibt, ist die starke Fragmentierung innerhalb dieses Systems. Für die Energieproduktion auf Verbraucherebene wird künftig nicht mehr nur die Solaranlage von Bedeutung sein. Wir werden es mit einer Kombination aus verschiedenen Elementen zu tun haben: neben der eigenen Solaranlage gibt es zum Beispiel eine private Windkraftanlage, die vielleicht gemeinschaftlich mit dem Nachbarn betrieben wird, oder eine CHP-Lösung die Wärme und Strom produziert. Daneben gewinnen auch Speicherelemente, wie ein Heimspeicher oder eine Autobatterie, an Bedeutung.

Auf der anderen Seite befinden sich im privaten Haushalt verschiedene energieverbrauchende Geräte, die per intelligenter Steuerung an- und ausgeschaltet oder hoch- und heruntergeregelt werden können. Ein Beispiel: es herrscht Mittagshitze und die Sonnenkollektoren produzieren Energie auf Hochtouren. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt an dem die Klimaanlage ein paar Grad kühler laufen kann, um das Haus für die Abendstunden herunter zu temperieren. Der Kühlschrank läuft jetzt auf höchster Stufe und kühlt ebenfalls vorsorglich herunter. Oder die Autobatterie lädt voll auf. Dies alles sind Maßnahmen, die einen kurzfristig hohen Energiebedarf haben und damit verhindern, dass produzierte Energie ungenutzt bleibt.

Ein umgekehrtes Beispiel: es ist ein grauer Sonntagnachmittag, die Eltern bereiten das Abendessen in der Küche zu, während der Sohn nach dem Sport heiß duscht. Die Solarproduktion ist auf dem Minimum, dem gegenüber ist der momentane Verbrauch einzelner Geräte hoch. Nun wäre der richtige Zeitpunkt um Energieverbräuche anderer Geräte zu drosseln, beispielsweise die Gefriertruhe für einen kurzen Zeitraum abzustellen. Oder die Familie würde zusätzliche Energie von einer nahen Quelle beziehen, beispielsweise vom Nachbarn, der gerade im Urlaub ist und über einen voll aufgeladenen Heimspeicher verfügt.

Den Energiefluss von Produktion und Verbrauch kann man sich wie ein komplexes Orchester vorstellen. Um diesen Fluss nun auf solch einer Mikro-Ebene zu steuern, benötigen wir Systeme, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind. Diese werden die Verbräuche und Speicher so optimieren, dass die Konsumenten weniger auf das zentrale, teure Energienetz zugreifen müssen und dorthin auch weniger „vergeudete“ Energie einspeisen.

Das Netz der Zukunft

In unserem zentralen Energienetz gibt es eine Verwaltungsinstanz, die dafür zuständig ist, die Energieströme aller Netzteilnehmer zu kontrollieren und nachzuhalten. Monatlich oder jährlich versendet sie den Konsumenten eine entsprechende Abrechnung über ihren Verbrauch.

Was aber, wenn sich einige Nachbarn wie im Fall Brooklyn mit eigenen Sonnenkollektoren, Windkraftanlagen oder CHP-Lösungen zu einem Micro-Grid zusammentun? Wie können sie dann ihre Energie- und Zahlungsströme nachhalten? Hier entfaltet die Blockchain-Technologie ihr wahres, revolutionäres Potenzial. Wenn die einzelnen Teilnehmer über einen intelligenten Energiemonitor verfügen, der Produktion und Verbrauch in Echtzeit überwacht – und dies kombiniert mit einer digitalen Währung als sicheres, akkurates Zahlungsmittel, besteht kein Bedarf mehr an einer zentralen Verwaltungsinstanz. Dann wird der Micro-Grid tatsächlich unabhängig vom zentralen Netz.

Die Blockchain Technologie bietet also eine vielversprechende und wichtige Perspektive für die Entstehung von lokalen Energienetzen und der Förderung von erneuerbaren Energien.

 

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Dr. Katja Reisswig

Freie Redakteurin und Gründerin des Online-Magazins Technewable.com - spezialisiert auf digitale Kommunikation und Themen rund um die grüne Wirtschaft mit Fokus auf grüne Technologien, Innovationen, Lösungen und Anwendungen. Ihr Themenportfolio umfasst: Energie, Mobilität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung & Transformation

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