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Rückschau auf die E-world energy & water 2018 – Leitthema ” Smart Cities “

Leitthema der E-world 2018 „ Smart Cities “ – vom 6. bis 8. Februar

Um das Thema „ Smart Cities “ drehte sich die diesjährige Energiemesse E-World energy & water 2018. Die E-world ist Europas größte Elektrofachmesse und führende Fachmesse der Energiewirtschaft. Drei Tage präsentierten Unternehmen und Start-ups ihre Produkt- und Service-Neuheiten. Insgesamt über 25.000 Besucher aus 73 Ländern, darunter vor allem Fachpublikum, mit einem Anteil von 80 Prozent Entscheider. So die Bilanz der E-World 2018.

Digitale Energiewende 4.0 auf dem Vormarsch

Über die Bedeutung digitaler Lösungen und deren Mehrwert für Unternehmen mit Blick auf neue Geschäftsfelder äußerte sich Digitalministers Prof. Dr. Andreas Pinkwart, der die E-world 2018 gemeinsam mit Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Christina Schulze Fröcking aus Nordrhein-Westfalen am 6. Februar eröffnete. Sein Statement:

„Das Energiesystem der Zukunft ist dezentral, digital und smart. Schon heute werden immer mehr dezentrale Erzeugungsanlagen über IT-Lösungen gebündelt, gesteuert und vernetzt. Diese Innovationen eröffnen unseren Unternehmen die Chance, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Davon profitiert der Industriestandort Nordrhein-Westfalen.“

Doch nicht nur Nordrhein-Westfalen profitiert. In Zukunft werden genau die Geschäftsfelder, von denen der Digitalminister Prof. Dr. Pinkwart sprach, den Abschied von fossilen Energieträgern erleichtern. Noch sind Dezentralisierung, Dekarbonisierung und Digitalisierung vor allem viel verwendete Schlagworte. Mit ihnen werden Weckrufe an die Energiebranche adressiert. Die Branche steckt inmitten einer tiefgreifenden Transformation. Erste Ermüdungserscheinungen lassen sich beobachten, so der Eindruck von Angela Pietroni in ihrem Beitrag zur E-world 2018 „Eindrücke der E-world – von Digitalisierung bis Desillusion“ auf Energy Brainpool. Momentan liegt der Fokus vor allem auf digitale Lösungen. So hätte das Leitthema der E-world auch „Digitale Energiewende 4.0“ lauten können.

Mit dem Thema „ Smart Cities “ rückt die E-world ein Thema in den Mittelpunkt, „mit dem Ziel, die Zukunftsfelder der Branche auszubauen”. Hierbei ginge es um Innovationen, neue Ansätze und Lösungen für die Städte von morgen. Für diese sei eine Vernetzung von Sektoren, d.h. ein vernetztes Zusammenspiel von Strom, Wärme, Mobilität, aber auch Gebäuden und Industrie entscheidend. Wichtig ist, dass sie in Zukunft eine Einheit in dem EnergieSystem darstellen. Es geht darum, Städte „effizienter, technologisch fortschrittlicher und nachhaltiger zu gestalten“, um den Wohn- und Lebenskomfort für die Einwohner zu erhöhen.

Die Integration und Anwendung von IoT für Smart Cities

Die Integration und Anwendung von IoT für Smart Cities Foto: Technewable.com / KR

Neue Aufgaben erwartet die Energiebranche

Für die Realisierung von „ Smart Cities “ warten eine Vielzahl neuer Aufgaben auf die Energiebranche. Ebenso stehen zahlreiche neue Technologien bereits in den Startlöchern. Wer seine Kosten und den Investitionsaufwand reduzieren möchte, ist gut beraten, vorhandene Infrastruktur zu nutzen. In den Transformationsprozess ebenfalls einbezogen werden können, die bereits über 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland, die ihren Strom selbst erzeugen.

Sinken die Preise für PV und Windkraft sowie Energiespeicher weiter und steigen im gleichem Atemzug die Preise für fossile Energien, wird die Anzahl an sogenannten Prosumern weiter steigen. Hinzu kommt, dass es immer attraktivere Angebote am Markt gibt, die diesen Wechsel von Konsument zu Prosument erleichtern. Doch für die Energiebranche sind die Prosumer (Energieselbsterzeuger und -verbraucher) keine verloren gegangene Kundengruppe. Vielmehr können sie als „neue“ Kunden für Produkte und Services gewonnen werden.

Wer sich selbst mit Strom versorgt, braucht vielleicht keinen externen Energieanbieter mehr. Er braucht jedoch eine Anlage zur Erzeugung von Energie, womöglich einen Energiespeicher, Informationen, Beratung, Versicherung, Wartung und Pflege. Daraus resultieren die Geschäftsmodelle von morgen. Sie beruhen auf neuen Angeboten, Produkten und Services basierend auf Hard- und Software sowie spezifischer Expertise. Die „alte“ Energiewelt wird mit Prosumern kein Geld verdienen. Für die „neue“ Energiewelt bieten diese einen Schatz, den es zu heben gilt. Das ist die Aufgabe der kommenden Jahre. Dafür braucht es nicht nur einen Wandel und neue Kompetenzen bei den Energieunternehmen. Ebenso müssen die Kompetenzen von Prosumern und Kunden in einer vernetzten Energiewelt gestärkt werden, so der Appell der Verbraucherministerin von Nordrein-Westfalen Schulze Fröcking.

E-world 2018 Innovation Forum

Großes Interesse an Innovationen auf der E-world 2018 – Live Pitches beim Innovation Forum in Halle 7 Fotograf: Udo Geisler

Smart Cities den Weg bereiten

Bis auch Städte smart sind, wird es noch eine Weile dauern. Die Umgestaltung der Städte hin zu „ Smart Cities “ benötigt Zeit. Digitalisierung und der fortschreitende Urbanisierungstrend betreffen Städte und Ballungsräume besonders. Hier kann die Energiewirtschaft sich mit zukunftsweisenden Projekten an der Entstehung von „ Smart Cities “ beteiligen, insbesondere mit Blick auf die Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche, wie Strom, Wärme, Gebäude, Netze und Mobilität. Sie alle zusammen stecken das Spielfeld ab. Für die „ Smart Cities “ von morgen, braucht es die Projekte von heute. Das beinhaltet eine dementsprechende Ausrichtung der Konzepte und Projekte.

Wer sich traut Zukunftsvisionen zu entwickeln, verschafft sich Handlungsspielräume. Mit einem klaren Ziel vor Augen lässt sich leichter reisen. Wer weiß, wohin die Reise gehen soll, findet einen Weg. Für das Entstehen von Innovationen und Disruptationen sind Freiräume nötig. Ebenso braucht es diese, um flexibel und schnell auf Anforderungen zu reagieren.

Hier greifen agile Methoden und Tools, wie beispielsweise Scrums oder agiles Projektmanagement. Agiles Management unterstützt bei der Entwicklung neuer Lösungen und Geschäftsmodelle. Es befördert Kreativität, Verantwortung, Entscheidungen, Lernbereitschaft, Teamgeist und Selbstmotivation. Für interdisziplinäre Teams alles wichtige Voraussetzungen, um komplexe Aufgabenstellungen zu erfüllen.

Agiles Management steht bei Start-ups und jungen Unternehmen hoch im Kurs. Sie waren mit ihren Innovationen in Halle 7 auf der E-world anzutreffen. Über 70 junge Unternehmen präsentierten der Branche ihre neuen Konzepte, Lösungen und Technologien. Doch auch für bestehende Unternehmen gewinnen agile Management-Methoden an Attraktivität. Insbesondere da, wo kreative Lösungen gefragt sind. Für die Energiebranche sind es vor allem Produkte und Services aus den Bereichen Smart Meter, Energiedatenerfassung, Energiehandelssoftware, Cloudlösungen, virtuelle Kraftwerke, wie auch intelligente Ladekonzepte, Carsharing und andere Mobilitätslösungen sowie weitere Dienstleistungen.

Networking beim Speeddating von Energieloft auf der E-world 2018

Networking beim Speeddating von Energieloft auf der E-world 2018 Foto: Technewabel.com / KR

Matching-Plattform und Business-Speeddating

Auf der Messe vertreten waren große Player, wie EnBW, Vattenfall, Siemens, Uniper, Verivox u.a., wie auch etablierte Unternehmen, wie BayWa r.e., BTC, Caterva, ELWA*, engie u.a. .Sie hatten ihre Neuheiten im Gepäck. Neben Unternehmen und Start-ups waren auf der E-world 2018 ebenso Investoren, Dienstleister, Banken, öffentliche Einrichtungen und Forschungsinstitute vertreten.

Die Transformation der Energiewirtschaft und die Energiewende lässt sich nicht von einzelnen Akteuren schultern. Es handelt sich hierbei um eine Gemeinschaftsaufgabe, an der die unterschiedlichsten Stakeholder beteiligt sind. Gleiches gilt für die Entwicklung und Umsetzung von Smart Cities. Um ein intelligentes, vernetztes und optimiertes Gesamtsystem zu schaffen, braucht es sowohl etablierte Player, wie auch die Newcomer. Beide können sich wechselseitig in einem herausfordernden Marktumfeld befruchten.

Start-ups und junge Unternehmen benötigen in der Regel den Marktzugang, Testfelder für Pilotprojekte und Kapital. Unternehmen mit längerer Firmengeschichte hingegen benötigen Ideen und den frischen Blick auf neue Geschäftsfelder. Aus diesem Verständnis heraus, unterstützt die E-world als Informationsplattform der Energiebranche den Austausch und Kontakt zwischen Unternehmensgründern, Investoren und Vertretern der Industrie.

Die Matching-Plattform des Aachener Innovationsnetzwerkes Energieloft half dabei, gezielt Kontakte zu Ansprechpartnern herzustellen. Ein Business-Speed-Dating auf der Messe ermöglichte es Firmengründern, ihre Konzepte vor potenziellen Kapitalgebern, Investoren und Kooperationspartnern zu präsentieren. Zudem konnten sich Unternehmensgründer in Pitches auf der E-world zu verschiedenen Themenstellungen präsentieren. Sie erhielten damit eine weitere Gelegenheit, auf mögliche Geschäftspartner zu treffen oder sich mit Branchenvertretern auszutauschen.

Dazu luden ebenso Workshops und Podiumsdiskussionen, die von Partnern der Messe wie dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND), Bitkom, der Deutschen Energieagentur (dena), InnoEnergy oder der Bundesverband Deutsche Start-ups an den ersten beiden Messetagen durchgeführt wurden. Neben dem Themenfeld „Smart Cities“ ging es hier um neue Geschäftsmodelle und innovative Lösungen für die Energiebranche.

Verleihung des Digital Energy Award

07.02.2018, innogy-Stand, Halle 3 Verleihung des Digital Energy Award Fotograf: Rainer Schimm

Digital Energy Award prämiert innovative und digitale Lösungen

Neben Lösungen für die Smart Cities von morgen, sind ebenso neue, kundenbezogene digitale Lösungen gefragt. Mit dem „Digital Energy Award“ wurden erneut Leuchtturmprojekte in den folgenden drei Kategorien prämiert:

1.       „Costumer Engagement“

Sieger: gridX – Energieversorger der Zukunft

Gewinner dieser Kategorie ist das Unternehmen gridX. Das Unternehmen bringt private Stromverbraucher und Stromproduzenten auf einer digitalen Plattform zusammen. So wird lokal erzeugter, sauberer Strom auch lokal vermarket. Kunden erhalten zudem volle Transparenz in Hinblick auf ihre Stromverbräuche. Die Lösung von gridX bereitet für den Strommarkt 2.0 vor.

2.       „New Business Models“

Sieger: Novum engineering – ThermoTape

Das ThermoTape von Novum engineering überwacht den Füllstand thermischer Speicher. Das Band lässt sich von außen an thermische Speicher zur Überwachung anbringen. Es erfasst kontinuierlich die Temperatur des gesamten Speichers und nicht nur einzelne Wärmepunkte. Zugleich werden Daten über ein Smart Meter erhoben. Dadurch können Rückschlüsse auf den Verbrauch des Heiznetzes gezogen werden.

3.       „Lean Opterations“

Sieger: MeteoViva Climate intelligente Klimasteuerung

Mit der smarten Klimasteuerung der MetoViva GmbH kann die Dominium Konzernzentrale der Generali-Versicherung in Köln durch eine optimierte Heizung, Klima- und Lüftungssteuerung Kosten in Höhe von 26 Prozent einsparen bei gleichzeitig verbesserter Klimabilanz. Damit amortisiert sich die Investition in die Klimasteuerung bereits nach weniger als 2 Jahren.

Die Sieger des Wettbewerbs können sich über ein App Promotion Workshop von Google, einen Innovations Workshop von innogy, eine Augmented Reality Brille und ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro freuen.

Mehr Infos zum Digital Energy Award gibt es unter folgendem Link: Ausführliche Informationen zum Digital Energy Award

Begleitende Fachforen und die 22. Fachkonferenz Zukunftsenergien

Parallel zur Messe fand der 22. Fachkongress Zukunftsenergien der Nordrhein-Westfälischen Energieagentur NRW statt. Dieser wurde gemeinsam mit den Clustern EnergieRegion.NRW und EnergieForschung.NRW ausgerichtet. Auch hier wurde das Thema Smart Cities diskutiert. Unter anderem ging es um die Frage, wie smart die Energiewelt heute bereits ist und was ein digitaler Wandel für die Energiebranche bedeute.

Zudem gab es Möglichkeiten für einen interaktiven Austausch in verschiedenen Foren. Bei diesen standen Themen, wie beispielsweise „Start-ups und neue Geschäftsmodelle“, „Sektorenkopplung im digitalen Industrieland NRW“ und das Thema „Digitale Energiesysteme der Zukunft“ im Mittelpunkt. Weiterhin gab es Vorträge zu Trends, Märkten und neuen Entwicklungen in der Energiewirtschaft.

Fazit zur E-world 2018

Die E-world als Leitmesse für Energiethemen ist ein Branchentreff mit hochrangigen Vertretern, Fachpublikum und Entscheidern. Wie in den vergangenen Jahren wurden wichtige Impulse für die Energiewirtschaft gesetzt. Mit dem Leitthema der Messe „Smart Cities“ wurde ein wichtiges Betätigungsfeld für die Energiebranche aufgezeigt. Um „ Smart Cities “ mit all seinen Facetten greifbarer und anschaulicher darzustellen, wären emotionalere Darstellungsformen und mehr Bezug auf Praxis-Beispiele wünschenswert gewesen. Ein Quäntchen mehr Kreativität in der Darstellung und ein etwas Weniger „business as ususal“ könnte helfen, mehr Begeisterung und Fantasie für neue Technologien und Innovationen zu entfachen.

 


Quellen:
Pressemeldungen der E-World energy & water
u.a.
Pressemeldung (08.02.2018): “E-world energy & water Essen: drei Tage Energiehauptstadt Europas”
Pressemeldung (07.02.2018): “Verleihung des Digital Energy Awards auf der E-world energy & water 2018”
Pressemeldung (06.02.2018): “Minister Pinkwart und Schulze Fröcking eröffnen E-world 2018 in der Messe Essen”

 

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Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für Akteure der grünen Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.