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Wie Menschen für den Klimaschutz aktivieren? – Zusammenfassung Open Table 2018

Open Table Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage 2018

Wer viel fragt, bekommt gewöhnlich auch viele Antworten. Werden unterschiedliche Personen befragt, gibt es zudem auch noch unterschiedliche Antworten. In Abhängigkeit von unseren Wissens- und Erfahrungshintergründen, Biografien, kulturellen Hintergründen, Sicht- und Denkweisen.

Das alles spielt eine Rolle, auch wenn es um die Frage Klimaschutz geht. Hier gibt es nicht die eine Antwort, auf die Frage: Wie lassen sich Menschen für den Klimaschutz aktivieren. Es gibt ein breites Spektrum an Antworten, wie mehr Begeisterung für den Klimaschutz geweckt und das Engagement für eine dezentrale Energiewende gestärkt werden kann.

Doch zunächst einmal zur Ausgangsfrage. Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit der Frage, “Wie Menschen für den Klimaschutz aktivieren?” Wir, das sind Kilian Rüfer von der Nachhaltigkeitsagentur sustainment, Andreas Kühl von energynet.de und ich, Katja Reisswig von technewable.com. Gemeinsam setzen wir uns für eine dezentrale Energiewende ein und sind aktive Mitglieder des Energieblogger e.V..


In Kooperation mit dem VME Verlag und Medienservice Energie haben wir dieses Jahr erneut und beinahe schon in Tradition den 5. „Open Table“ im Rahmen der Berliner Energietage am 7. Mai 2018 im Ludwig-Ehrhardt Haus in der Berliner IHK durchgeführt. Mit mehr als 70 Registrierungen und rund 40 Teilnehmern war das Interesse an dem Thema zu abendlicher Stunde groß.

Allen Teilnehmern danken wir herzlich für’s Kommen und sich Einbringen!

Worum ging es uns?

Unser Anliegen war es, gemeinsam mit den Teilnehmern darüber zu diskutieren und zu reflektieren, welche Bedeutung das Thema Klimaschutz überhaupt im Alltag für Menschen hat. Wir wollten wissen, welche Möglichkeiten und Optionen sie sehen, sich für Klimaschutz einzusetzen. Es ging uns zudem darum, herauszufinden, inwieweit Beteiligung möglich ist und wie sich Menschen aktivieren lassen.

Dazu haben wir drei Thesen aufgestellt, die wir in Dreier-Gruppen in Rotation im Format eines World Cafés besprachen. Die Ergebnisse sammelten wir auf Kärtchen, in Notizen und auf Papiertischdecken. Am Ende fassten wir die Ergebnisse der Diskussionen nochmal kurz zusammen und ließen die Teilnehmer über die Vergabe von Punkten für sie wichtige Kriterien gewichten.

Die Resultate möchten wir Euch nicht vorenthalten. In drei einzelnen Beiträgen nehmen wir Bezug zu unseren Thesen. Die Beiträge und Zusammenfassungen findet Ihr auf unseren jeweiligen Energieblogs (siehe weiter unten im Beitrag).

Zurück zum Ausgangspunkt

Den Ausgangspunkt für unsere diesjährige Open Table Veranstaltung bildete die Broschüre „Der Weg zum Klimabürger“ – Kommunale Unterstützungsmöglichkeiten, Strategien und Methoden. Sie ist aus dem Forschungsprojekt Klima-Citoyen – Neue Rollen, Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten der Bürger in der Transformation des Energiesystems entstanden. Finanziert wurde das Projekt von 2013 bis 2016 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). An der Umsetzung beteiligt waren die Universität des Saarlandes, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Zeppelin Universität.

Broschüre der Weg zum Klimabürger als Ausgangspunkt für den Open Table 2018

Broschüre der Weg zum Klimabürger als Ausgangspunkt für den Open Table 2018

Hier findet Ihr den Download-Link zur Broschüre Klima-Citoyen (externer Link)

Die Studie geht von beachtlichen Aktivierungspotenzialen in der Bevölkerung aus. Unter dem Begriff verstehen sie die Entwicklungsfähigkeit von Personen zu aktiven Klima-Bürgern zu werden. Gemeint ist damit, „das eigene Handeln und Verhalten möglichst klimafreundlich und im Sinne der Energiewende zu gestalten.“

Laut einer Umfrage, die im Rahmen des Projektes durchgeführt wurde, sehen sich gerade einmal 39 Prozent als aktive Klimabürger. Das sind Menschen, die sich in irgendeiner Form aktiv für den Klimaschutz einsetzen. Dagegen sind 61 Prozent passiv. Demgegenüber steht die Zahl derjenigen, die die Energiewende befürworten. Aktuelle Umfragen belegen, dass die Akzeptanz für die Energiewende und den Klimaschutz hoch ist. Sie liegt bei rund 84 Prozent an Befürwortern.

Aktivierungspotenziale laut Umfrage der Studie: Wer kann aktiviert werden?

Aktivierungspotenziale laut Umfrage der Studie: Wer kann aktiviert werden?

Die Frage ist, wie kommt die Lücke zwischen einerseits Befürwortern und andererseits aktiven Klimabürgern zustande und wie lässt sie sich schließen? Dazu haben wir drei Thesen formuliert.

Unsere drei Thesen

1. These: “Bei den meisten Menschen spielen Energiewende und Klimaschutz im Alltag keine Rolle.”
Den ausführlichen Beitrag von Andreas Kühl im energynet.de Blog

2. These: „Es gibt eine Bandbreite an Beteiligungsmöglichkeiten. Sind Bürgern diese besser bekannt, lassen sie sich eher aktivieren.“
Meine Ausführungen dazu folgen in diesem Beitrag.

3. These: „Aktivieren von passiv auf hochaktiv ist unmöglich. Sondern aus dem was ist kann ein Quäntchen mehr herausgekitzelt werden.“
Den Beitrag dazu von Kilian Rüfer findet ihr unter sustainment.de

Nachfolgend die Ausführungen zu These 2.

Für den Klimaschutz gibt es unendlich viele Beteiligungsoptionen

Wie sich in den Diskussionsrunden zur These 2 zeigte, gibt es anscheinend unendlich viele Möglichkeiten sich für den Klimaschutz einzusetzen und sich an der Energiewende aktiv zu beteiligen. In allen drei Runden kamen neue Ideen und Vorschläge auf den Tisch. Neben nahe liegenden Optionen, wie Energiesparen, zu einem Öko-Energieversorger wechseln, in eine PV-Anlage oder klimafreundliche Heizungsanlage zu investieren, sich ein Elektroauto anschaffen oder zumindest mehr Fahrrad fahren, Heizen und Lüften beachten, sich wenn nicht gleich vegan, dann zumindest bewusst ernähren, wenn nicht unbedingt Second-Hand dann zumindest umweltfreundlich und lokal einkaufen, Urban Gardening, um nur einige Beispiele zu nennen, gab es eine Reihe ungewöhnlicher Vorschläge.

Zum Beispiel den Vorschlag Energiesspar-Partys zu veranstalten, zu denen Energieberater eingeladen werden. Damit könne das Problem vorhandener Barrieren bei den Menschen vor Ort gelöst werden. Sie ermöglichen auf einfache und unverbindliche Art un Weise mit einem Berater in Kontakt zu treten.

Ein anderer Vorschlag war, Firmenwettbewerbe, Challenges, Mops oder sogar Müllsammelaktionen durchzuführen. Hier könnten Menschen zum Mitmachen angeregt werden. Das würde den Gemeinschaftssinn und das eigene Verantwortugnsgefühl stärken. Zudem könnten so Gemeinschaftsaufgaben übernommen werden. An Möglichkeiten sich aktiv einzubringen, mangelt es also nicht.

Stichpunkte und Resultate zur These 2 Foto: Andreas Kühl – energynet.de

Auf die Kommunikation kommt es an!

Viel entscheidender jedoch sei die Art, wie und mit wem kommuniziert werde. Zu oft sind direkt mit dem Klimaschutz in Verbindung stehende Angebote zu hochtrabend oder in einer bürokratisch-technisch schwer verständlichen Sprache verpackt. Diese sind dann für Laien und Außenstehende kaum verständlich. Damit gibt es zwar Informationsangebote vor Ort, nur sie werden nicht abgerufen.

Von der Wahl der Sprache hänge viel ab, ob Informationen aufgenommen und verbreitet werden. Wichtig seien auch, Orte als Begegnungsstätten für einen Austausch zu schaffen. Zudem müssen kulturelle Hintergründe bei den Menschen viel stärker berücksichtigt werden.

Wer hier die richtigen Leute in einer Kommune oder Szene anspricht und diese als Befürworter für Klimaschutz-Aktionen gewinnen kann, hat es leichter seine Projekte und Botschaften zu adressieren. Für Außenstehende, die als Exoten wahrgenommen werden, ist es dagegen kein leichtes sich Gehör zu verschaffen und Zugang zu den Menschen zu finden. Diese Herausforderung stellt sich beispielsweise Energieberatern.

Eine Lösung ist das Einbinden von Multiplikatoren oder von Vorbildern. Sie wirken gerade die Gemeinschaften hinein und sind als Sprachrohr in der Lage verschlossene Türen zu öffnen. Einen weiteren Zugang lässt sich über das aktive Einbinden von Kindern und Jugendlichen herstellen.

Insgesamt käme es darauf an, Betroffenheit bei den Beteiligten herzustellen, über Alternativen zu reflektieren und alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das alles sollte jedoch möglichst niedrigschwellig, d.h. mit Hilfe von einfacher Sprache, ohne Zugangsbeschränkungen und auf barrierefreie Weise erfolgen.

Zudem sollte es mehr Belohnung, Würdigung und Anreize geben. Engagement braucht mehr Wertschätzung und Wahrnehmung. Das sei in jedem Fall eine positive Herangehensweise. Der gegenüber steht die Frage nach Sanktionen und Verboten. In bestimmten Fällen seien Regelungen ebenfalls nötig. Sie fallen jedoch weniger in die Kategorie für den Klimaschutz aktivieren.

Fazit

Für ein positives Aktivieren hilft es Möglichkeiten aufzuzeigen. Menschen können in ganz unterschiedlichen Formen und Rollen sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen. Sie können beispielsweise als Privatpersonen in ihrem Umfeld nach eigenen Vorstellungen und Werten handeln. Sie können sich als Investoren betätigen, indem sie in klimafreudnliche Produkte und Anlagen investieren. Sie können sich ebenso an Crowdinvesting-Projekten beteiligen. Sie können Berufe ausüben, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten oder zumindest in ihren Firmen darauf hinwirken, dass mehr auf Klimafreundlichkeit geachtet wird. Sie haben ebenso die Möglichkeit sich in politischen Gremien einzubringen oder sich ehrenamtlich zu engagieren.

Entsprechend der eigenen verfügbaren Ressourcen und Vorstellungen gibt es somit eine Vielzahl an Handlungsspielräumen. Wer sich darüber im Klaren ist, kann eigenständig Initiative ergreifen und muss nicht erst darauf warten bis eine Vorschrift kommt. Dieses Bewusstsein für die eigene Handlungsmächtigkeit hilft nicht nur dem Klimaschutz, sondern trägt insgesamt zu einem erfüllteren Leben bei. Doch sicher liegt nicht alles in der eigenen Hand und kommt es auf die Mitwirkung sowie Unterstützung durch andere an. Rückhalt und Zuspruch durch andere hilft ebenfalls, um mehr Menschen zu aktivieren. Ebenso braucht es Orte, an denen ein Erfahrungs- und Ideen-Austausch erfolgt sowie neue Projekte gedeihen können.

Nach drei lebhaften Diskussionsrunden und einem intensiven Austausch hat sich gezeigt, das Thema Klimaschutz und Energiewende bewegt viele. Längst sind nicht alle Fragen beantwortet.
Doch die Einsicht ist da, wir haben die Chance uns aktiv für Klimaschutz und das Gelingen der Energiewende einzusetzen.

Wem unser „Open Table“ Format gefällt und Interesse hat, sich dazu näher mit uns auszutauschen, kann gern Kontakt zu uns aufnehmen. Über Feedback und weitere Fragen freuen wir uns ebenfalls. Kommentiert oder schreibt an uns!

Ansprechpartner:

Andreas Kühl (kontakt @ energynet.de) , Kilian Rüfer (ruefer  @ sustainment), Katja Reisswig (kontakt @ technewable.com)

 

 


 

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Katja Reisswig

Dr. Katja Reisswig ist freie Redakteurin mit Schwerpunkt Digitale Kommunikation. Als promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin hat sie das branchenübergreifende B2B-Portals technewable.com für die grüne Wirtschaft ins Leben gerufen. Mit ihm adressiert sie grüne Innovationen, Technologien und Anwendungen. Sie stellt grünen Akteuren – Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und anderen Organisationen – eine Kommunikationsplattform bereit. Ihre Mission ist den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft zu beschleunigen, den Austausch untereinander zu befördern sowie aktuelle Entwicklungen kommunikativ zu begleiten.

 

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