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Was meint „Digitalisierung (in) der Energiewende“?

Die zahlreichen Beiträge zur  Blogparade „Digitalisierung in der Energiewende“ verdeutlichen die Fülle an Themen, die unter dem Schlagwort Digitalisierung der Energiewende zu finden sind. Keine Frage, ohne eine Digitalisierung wird die Energiewelt von morgen nicht funktionieren.

Digitalisierung der Energiewende = Digitales #Energiesystem der Zukunft?

Es zeigt, dass im Grunde die Digitalisierung das gesamte Energiesystem und jeden einzelnen Teilbereich davon betrifft. Eine Energiewende wird es ohne Digitalisierung nicht geben (können). Das Energiesystem der Zukunft wird somit ein digitales sein.

Es wird ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnologien – sprich IT – nicht mehr auskommen. Gleichzeitig wird es einen gewaltigen Veränderungs- und Modernisierungsprozess nach sich ziehen, wie auch in anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen der Fall. Zugleich wird die Digitalisierung mit neuen Möglichkeiten und Chancen einhergehen.

Andreas Kühl von energynet.de hat in seinem Beitrag: „Wo die Digitalisierung die Energiewende unterstützt“ auf die vielfältigen Bereiche hingewiesen, in denen Digitalisierung in der Energiewende künftig eine Rolle spielen wird.

Was ist nun das Besondere an der Digitalisierung der Energiewelt?

Das Besondere ist, die Digitalisierung schafft Schnittstellen im Energiesystem, die es vorher in dieser Form nicht gab und auch nicht geben musste. Waren zuvor die einzelnen Bereiche voneinander isoliert und abgekoppelt, wachsen nun einzelne Bereiche des Energiesystems immer enger zusammen. Dieses Zusammenwachsen wird als „Sektorkoppelung“ bezeichnet.

Das geschieht bei der Erzeugung von Energie, aber auch beim Transport und der Weiterleitung von Energie sowie bei der Nutzung oder Speicherung. Überall, wo es Möglichkeiten zur Koppelung gibt, sind Schnittstellen gefragt. Diese ermöglichen die Steuerung und Weiterleitung von Informationen und Daten. Sie werden künftig dafür sorgen, dass das System insgesamt funktioniert.

Intelligente Lösungen gefragt

So kann zum Beispiel mithilfe eines intelligenten Energiemanagements nicht nur der aktuelle Energieverbrauch und -bedarf erfasst werden. Es kann ebenso eine intelligente bedarfsgerechte Steuerung erfolgen. Viele kleine Einheiten können so dank Digitalisierung erfasst werden. Die Erzeugung von Energie und der Verbrauch lassen sich besser austrarieren, Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen.

Doch der Energieverbrauch ist nur die eine Baustelle. Es geht um ein stabiles und sicheres Energiesystem in Zukunft. Es geht um die Gewährleistung der Versorgungssicherheit in einem Energiesystem, welches in absehbarer Zeit auf 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen beruhen soll.

Dazu müssen alle zur Verfügung stehenden Systemkomponenten in ein Gesamtsystem integriert werden. Das betrifft sowohl die Erzeugung, wie auch den Verbrauch, die Speicherung und den Transport von Energie über Netze. All diese Bestandteile des Energiesystems werden Schnittstellen benötigen. Letztendlich wird die Digitalisierung die Steuerung eines komplexen, von vielen Energieakteuren bespielten Energiesystems bedeuten.

Damit schon heute Erfahrungen gesammelt, Innovationen getestet und Wissen ausgetauscht werden können, wurde vergangenes Jahr vom Bundesministerium für Energie und Wirtschaft (BMWi) unter Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Förderprogramm „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ gestartet.

Hier wird in Modellregionen gezeigt, wie das Energiesystem von morgen aussehen könnte. Es geht weiterhin darum, Verbrauchern den Zugang zum Energiemarkt zu erleichtern sowie die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen zu stärken. Das Förderprogramm SINTEG ist ein Baustein zur Umsetzung der Digitalen Agenda der Bundesregierung.

Zwei Fallbeispiele für den Einsatz neuer Technologien für die Energiewelt von morgen

Um das Ganze einmal zu veranschaulichen, sollen hier zwei Fallbeispiele aus der Energiewelt von morgen vorgestellt werden.

1.      Fallbeispiel: Next Kraftwerke – Betreiber eines der größten Virtuellen Kraftwerke in Europa

Die Next Kraftwerke GmbH – im Jahr 2009 gegründet, vernetzt heute als digitaler Energieversorger rund 3000 dezentrale Stromerzeuger und -verbraucher über eine Plattform – den Next Pool. Mit einer Erzeugungsleistung von 2450 Megawatt (Stand September 2016) sorgt das Unternehmen für den Ausgleich von Frequenzschwankungen im Netz. Zudem trägt es zu einer Optimierung der Stromproduktoin und des -verbrauchs bei, indem es den Strom seiner vernetzten Kunden über den eigenen 24/7 Stromhandel an verschiedenen europäischen Börsen (wie z.B. EPEX und EEX) handelt. Im Oktober 2016 hat das Unternehmen erstmals eine Power-to-Gas-Anlage in sein Virtuelles Kraftwerk aufgenommen. Mit diesem bislang einzigartigen Projekt veranschaulicht das Unternehmen, wie Sektorkopplung in Zukunft gelingen kann.

Digitalisierung der Energiewende - #digiEwende - Fallbeispiel Next Kraftwerke

Infografik zur Integration einer Power-to-Gas-Anlage in die Next Box Bildnachweis: Next Kraftwerke GmbH

2.      Fallbeispiel: Smappee – Entwickler innovativer Lösungen für einen nachhaltigen Energieverbrauch

Der Energiemonitor von Smappee misst Energieverbräuche im Haushalt in Echtzeit. Der Stromverbrauch lässt sich durch eine benutzerfreundliche App auf Smartphones oder Tablets direkt überwachen und analysieren. Mithilfe des Monitors können „Energiefresser“ schnell und ziemlich unkompliziert ausfindig gemacht werden. Wird das Verhalten den Verbräuchen entsprechend angepasst, lässt sich eine Menge Energie einsparen. Gleiches ermöglicht der Gas- und Wassermonitor von Smappee. Auch hier können Verbräuche direkt eingesehen und direkt auf diesen Einfluss genommen werden. Darüber hinaus misst Smappee die Produktion von Sonnenkollektoren. Jüngst hat das Unternehmen die virtuelle Währung „SolarCoins“ in seine Technologie integriert. Diese lässt sich in reales Geld umwandeln. SolarCoin ist das weltweit größte Community-Solarstrom-Vergütungsprogramm. Es wurde mit der Blockchain-Technologie entwickelt, um für Solarstrom-Produzenten einen zusätzlichen Bonus zu bieten. Besitzer von Sonnenkollektoren – sowohl Einzelhaushalte als auch Unternehmen – erhalten pro MWh produzierter Solarenergie eine Solarmünze. Diese SolarCoins können in reales Geld umgetauscht oder für die Zukunft gespart werden. Der Kurs der SolarCoins kann, wie beim Bitcoin-Prinzip, erheblich schwanken.

Digitalisierung der Energiewende #digiEwende am Beispiel des Energiemonitors Smappee

Digitalisierung der Energiewende #digiEwende am Beispiel des Energiemonitors Smappee Bildnachweis: Smappee

Allein diese beiden Fallbeispiele verdeutlichen, was mithilfe moderner Technologien sich in der Energiewelt von morgen für Möglichkeiten und Chancen auftun.


Hinweis: Wer mehr über das Thema Blockchain und virtuelle Währung im Netz und der Energiewelt erfahren möchte, für den empfiehlt sich die Lektüre folgender Beiträge, die im Rahmen der Blogparade veröffentlicht wurden:

  • „Kann die Blockchain der Energiewende und dem Strommarkt helfen?“ – ∞ Link zum Beitrag
  • „Digitale Energiewende: StromDAO sucht Killer-Blockchain“ – ∞ Link zum Beitrag
  • „Drei Ebenen der Blockchain für die Energiewirtschaft #digiEwende“ – ∞ Link zum Beitrag
  • „Blockchain in der Energiewende: Don’t believe the Hype?“ – ∞ Link zum Beitrag
  • „Energiewende mit der Blockchain: Schlüssel zum Smart Grid?“- ∞ Link zum Beitrag

Fazit

Digitalisierung (in) der Energiewende meint vieles. Eines jedoch lässt sich nicht leugnen, die Bedeutung die die Digitalisierung für das Energiesystem von morgen haben wird. Zudem ermöglicht moderne IT den breitenwirksamen Einsatz neuer, sauberer Technologien – sprich Cleantech. Was einige Jahre zuvor undenkbar schien, wird möglich. Somit lassen sich dank des Einsatzes moderner IT die Potenziale von „Cleantech“ viel besser ausschöpfen. Doch keine Technologie ohne Risiko oder Gefahren. Dennoch wird die Energiewelt von morgen Hand in Hand mit den Entwicklungen im Bereich der IT gehen – ob Blockchain, Smart City, Smart Home, Smart Grids, Smart Meter, Big Data – den Schlagworten von heute. Mit welchen werden wir uns morgen, in fünf oder zehn Jahren befassen?


Der Beitrag erscheint im Rahmen der Bloggerparade, die von SMA SUNNY Blog ins Leben gerufen wurde anlässlich des Barcamp Renewables 2016 in Kassel.

∞ Alle Beiträge zur Blogparade und weitere Informationen dazu finden sich unter folgendem Link: Blogparade SMA SUNNY Blog

Tags:  #digiEwende #blogparade @dieenergieblogs @SMAsolar


Quellen:
  • PM Next Kraftwerke vom 24.10.16: „Next Kraftwerke vernetzt erstmals Power-to-Gas-Anlage im Virtuellen Kraftwerk
  • PM smappee vom 26.10.16: „Smappee belohnt Besitzer von Sonnenkollektoren mit kostenlosen Solarcoins“
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Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für Akteure der grünen Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.