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Radinfrastruktur für moderne Mobilitätslösungen

Problemzone Radweg  

E-Lastenräder, Cargo-Bikes und E-Bikes sind moderne Mobilitätslösungen. Sie könnten längst das Straßenbild moderner Städte prägen. Nur leider fehlt vielerorts eine entsprechende Radinfrastruktur. Radfahrende sehen sich daher mit vielen Hürden konfrontiert. Dazu zählen beispielsweise fehlende oder zu schmale Radstreifen, hohe Bürgersteigkanten, Wurzeln und anderes Geflecht. Mitunter enden Radwege einfach im Nirgendwo. Eine fahrradfreundliche Radinfrastruktur sieht jedoch anders aus.

Auf diese kommt es insbesondere dann an, wenn auf moderne Mobilitätslösungen umgestellt werden soll. Ohne solch eine Infrastruktur kommen E-Lastenräder, Cargo-Bikes oder E-Bikes nur zögerlich auf die Straße. Dabei könnten moderne Mobilitätslösungen Städte und Kommunen in Deutschland entschleunigen helfen und sie von „Stehzeugen“ befreien. Damit sind Fahrzeuge gemeint, die mehr als 20 Stunden am Tag im Park-Modus verharren. Wie Studien bereits herausfanden, betrifft dies mehr als 80 Prozent der geparkten Fahrzeuge in Innenstädten.

Offener Brief fordert bessere Radinfrastruktur

In einem offenen Brief haben sich daher Anbieter moderner Mobilitäts- und Logistiklösungen sowie der Radlogistikverband Deutschland e.V. (RLVD) an politische Entscheider und Weichensteller gewandt. Darin fordern sie, sich engagierter dem Ausbau der Radinfrastruktur in Deutschland anzunehmen. Damit sich Mobilitäts- und Transportalternativen stärker verbreiten können. Schließlich würde eine moderne gut ausgebaute Radinfrastruktur mit vielen Vorteilen für Städte und Kommunen einhergehen.

Derzeit ist die Nutzung von Fahrrädern, E-Bikes, Lastenrädern und Pedelecs alles andere als gleichberechtigt. Um Platz in zugeparkten Städten zu schaffen, müssten daher Pkws und Parkplätze zunächst einmal weichen. Parallel dazu wäre die Radinfrastruktur auszubauen. Mit einer durchdachten Verkehrswegeplanung, die Fahrräder und moderne Mobilitätslösungen berücksichtigt, wäre das sogar denkbar. Gleichzeitig setzt es Investitionen in Radwege voraus.

Mobilitätslösung für lebenswerte Städte

Gewinner dieser Veränderungen könnten Städte und ihre Einwohner sein. Sie würden von besserer Luft, mehr Bewegungsfreiräumen, weniger Lärm, Schmutz und Staus profitieren. So manch eine Stadt könnte sich damit nicht nur von bevorstehenden Verkehrskollapsen und -Infarkten befreien. Sie könnte ebenso ihren Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten und an Stelle eines Stellplatzes für mehr „stadtgrün“ sorgen. Nur müsste damit in Kauf genommen werden, dass die Einnahmequelle „Parkraumbewirtschaftung“ entfiele.

So drastisch sich die Lösung für den einzelnen „Pkw-Fan“ anhören mag. Es würde jedoch Städte insgesamt weitaus lebenswerter machen. Fahrräder, Lastenräder, E-Bikes und E-Cargobikes erzeugen weder Lärm, Stau, noch verursachen sie CO2-Emissionen. Sie sind die weitaus verkehrsgünstigste Form und tragen sogar noch zur Fitness bei. Sie ließen sich sogar für die letzte Meile, d.h. Zustellungen von Online-Lieferungen, bei einem wachsenden Online-Handel einsetzen.

So könnten Radschnellstraßen ebenso zentrale Orte in Städten miteinander verbinden. Das würde ein zügiges und sichereres Vorankommen über längere Strecken hinweg gewährleisten. Straßen und Fußwege würden dadurch sicherer werden. Es könnte darüber hinaus helfen, Unfälle zu vermeiden. Derzeit müssen sich Fußgänger, Radfahrer, Pkws und Transporter oft die gleichen Wege teilen.

Eine lohnende Investition also, vorausgesetzt mehr Menschen in Städten wären bereit, ihre vier-rädrigen „Metall-Gehäuse“ zu verlassen und vom „Fahrrad-Muffel“ zum „Bike-Fan“ zu werden.

Sieben Forderungen an Vertreter aus Politik und Verwaltung

Somit ist eine Radinfrastruktur unerlässlich, damit moderne Mobilitäts- und Transportalterantiven verstärkt genutzt werden können. Die Unterzeichner des Offenen Briefs haben daher sieben Forderungen an den Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), den Deutschen Städtetag, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie die verkehrspolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Parteien adressiert.

Darin machen sie deutlich, dass die technischen Lösungen bereit stehen. Was fehlt, ist eine entsprechende Infrastruktur, damit moderne Mobilitätslösungen ihren Beitrag für eine saubere, klimafreundliche Stadt leisten können.

Folgende Forderungen beinhaltet ihr offener Brief für den Umbau hin zu einer nachhaltigen, radfreundlichen Verkehrsinfrastruktur:

  1. Mehr Radwege und ein großes Radwegenetz
  2. Breite Radwege für Lastenräder und die Umsetzung von Sicherheitsabständen zum Pkw-Verkehr
  3. Rad-Schnellstraßen für den urbanen Verkehr
  4. Ladeinfrastruktur für E-Lastenräder durch ein öffentliches Netz aus Akku-Wechselstationen
  5. Rechtsrahmen, der die Bedeutung von Lastenrädern reflektiert
  6. Klimaschutz und Wirtschaftsförderung vereinen
  7. Forschungsförderung für Radlogistiksysteme und -konzepte

Fazit: Fehlende Radinfrastruktur verhindert moderne Mobilitätslösungen in Städten

Moderne Mobilitätslösungen und Logistikalternativen werden sich in Städten nur durchsetzen können, wenn auch eine entsprechende Radinfrastruktur zur Verfügung steht. Stellen Kommunen und Städte diese bereit, wäre das ein großer Zugewinn für mehr Lebensqualität in Städten.

Zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs gehören:

GreenPack, Swobbee, ONO, BAYK, Radkutsche, SaR Radlogistik, Carla Cargo, Heinzmann, Martin Seißler und der Radlogistikverband Deutschland e.V. (RLVD)


Mehr zum Thema:

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema hat auch das Internet-Magazin Pedelec-Elektro-Fahrrad.de verfasst. Den Beitrag findet ihr unter folgendem Link: „Offener Brief alternativlos: Radwege und Ladeinfrastruktur für Lastenräder schaffen“

Macht Radfahren in deiner Stadt Spaß?

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert den ADFC-Fahrradklima-Test zum neunten Mal aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP). Vom 1. September bis 30. November 2020 könnt ihr die Radinfrastruktur eurer Stadt oder Gemeinde bewerten. Im Frühjahr gibt es die Ergebnisse und werden Prämien für die fahrradfreundlichste Stadt oder Gemeinde in sechs Größenklassen prämiert.

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Katja Reisswig

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