die Potenziale der Kreislaufwirtschaft entfalten
Vom 22. bis 23. Januar 2026 veranstaltete die Handelsblatt Media Group (Euroforum) eine Konferenz zum Thema „Circular Economy”.
„Vom Nice-to-have“ zum wirtschaftlichen Muss – So lautete der Titel der Veranstaltung und drückte damit die Dringlichkeit des Themas aus. Was die Kreislaufwirtschaft heute bereits leistet und welche Potenziale in ihr schlummern, zeigten die teilnehmenden Referent:innen in ihren Vorträgen. Einig waren sich alle darin, dass die lineare Wirtschaft ihren Zenit erreicht hat und es an der Zeit ist, sich aktiv den Versprechen der Kreislaufwirtschaft zu widmen, um daraus echte Wirtschaftskraft zu entfalten.
Intensives Networking und tiefergehende Gespräche war Teil der Veranstaltung, bei der sich Entscheider:innen und Gestalter:innen aus Politik, Industrie, KMUs, Verbänden, Forschungszentren, NGOs und Start-ups trafen.
Impulse aus der Politik zum Stand der Kreislaufwirtschaft
Mit seiner Keynote eröffnete Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, die Konferenz. Er zeigte auf, wie das Bundesland NRW die Kreislaufwirtschaft mit der Ausarbeitung einer eigenen Kreislaufwirtschaftsstrategie unter Berücksichtigung der Nationalen Kreislaufstrategie der Bundesregierung und der Initiativen der EU für eine Kreislaufwirtschaft vorantreiben will.
Hierzu hat das Land ein Beteiligungsverfahren initiiert, bei dem sich alle Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen können. Zudem unterstützt NRW die Kreislaufwirtschaft durch gezielte Förderung, Austausch und das Aufzeigen von Best-Practice-Ansätzen. In der Kreislaufwirtschaft in NRW sind heute bereits rund 240.000 Menschen beschäftigt, die mit rund 20 Mrd. Euro zur Wertschöpfung im Bundesland beitragen.
Dr. Florian Kammerer, Ministerialrat und Leiter des Referats Nationale Kreislaufstrategie des Bundesumweltministeriums (BMU), rückte in seinem Impulsvortrag die „Drei R“ in den Mittelpunkt: Resilienz, Risikomanagement und Rendite. Hierbei ging er im Einzelnen auf die Punkte ein und zeigte den Stand der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (KWS) auf. Zudem führte er aus, welche Bedeutung der KWS zukommt und mit welchen Maßnahmen die Bundesregierung die KWS unterstützen will.
Aurel Ciobanu-Dordea, Director Competetive Circular Economy and Clean Industrial Policies, DG-Environment der Europäischen Kommission, brachte die europäische Perspektive ein. Er referierte über die Marktchancen der Circular Economy und zeigte, welche Chancen sie der EU bietet, wenn sie integraler Bestandteil der Wirtschaft ist. Dadurch können nicht nur Ressourcen besser genutzt, sondern die Kreislaufwirtschaft selbst zum Treiber für neue Technologien und Innovationen werden.
Impulse der Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft
Die nachfolgenden Impulse beleuchteten die Chancen und Herausforderungen aus dem Blickwinkel der Wirtschaft. Hierbei gaben Referent:innen aus Industrie, Mittelstand, Start-ups, Forschung und Verbänden Einblicke in ihre Arbeit.
Dabei kamen viel versprechende Ansätze zum Vorschein. So verrieten die Unternehmensvertreter:innen Verena von Weiss, Werkleiterin der Aurubis AG Lünen, und Florian Cebulla, Bereichsleiter Circular Economy bei der Schwarz Gruppe anhand konkreter Praxisbeispiele, wie sie die Kreislaufwirtschaft in Industrie und Handel voranbringen.
Den Blick auf das Thema aus der Herstellerperspektive vermittelten Thomas Fetting, Regional Director Circular Economy & Analysis, Quality Europe bei der WILO SE, sowie Mona Huschyar, Sustainability Manager bei der Vaillant Group. Ihre Mission ist es, nicht nur nachhaltige Produkte zu vertreiben, sondern auch die Herstellungsprozesse und Unternehmen nachhaltig zu gestalten.
Auch das Thema Produktrücknahmen als Lösung rückte ins Visier. Dies erfordert jedoch eine enge Zusammenarbeit mit dem Handwerk und den Kunden. Zudem muss auch die Recyclingindustrie noch stärker eingebunden werden, um innovative Lösungen zu entwickeln. Darüber hinaus braucht es Anreize und Regulierungen, die fördern und nicht bremsen.
Kristina Kölling, Head of Environment und Circular Economy bei der Tchibo GmbH, und Andrea Schneller, Geschäftsführerin und Mitgründerin der koorvi Circular Systems UG, gingen auf ein konkretes Anwendungsbeispiel ein. Sie zeigten, wie Tchibo-Produkte bereits heute ein zweites Leben erhalten und damit Kunden glücklich machen. Reinhard Schneider, Geschäftsführer der Werner & Mertz GmbH, berichtete über die Bedeutung von Kunden und wie eine Marke Vertrauen pflegt.
Dr. Matthias Ballweg, Co-Founder der Circular Republic, und Oliver Klug, Chief Strategy & Information Officer bei der Knorr-Bremse AG, beleuchteten die Rolle der Ökosysteme in der Circular Economy. Ihr Anliegen ist es, Start-ups und Industrie zusammenzubringen, um Lösungen zu entwickeln, die als Innovationen die Wirtschaft beflügeln. Mit einem Award sollen die Projekte sichtbar werden. Die Nominierten werden bei der IFAT 2026 präsentiert.
Auf der Circular Economy Konferenz gab es noch viele weitere spannende Impulse aus der Praxis. Zudem hatte die ahrend GmbH am Vortag der Konferenz zu einer Besichtigung in ihren Concept-Store in der Düsseldorfer Altstadt eingeladen und ihr zirkuläres Design präsentiert. In den vier Masterclasses während der Konferenz ging es ebenfalls um spannende Praxisbeispiele und kreislauffähige Exponate zum Anfassen.
Hemmnisse beim Ausrollen der Kreislaufwirtschaft
Doch das Thema Kreislaufwirtschaft ist längst nicht bei allen Akteuren der Wirtschaft angekommen, gab Dr. Claas Oehlmann, der Geschäftsführer der BDI-Initiative Circular Economy, zu verstehen.
Aktuelle Daten zeigen sogar ein steigendes Abfallaufkommen und sinkende Wiederverwertungsraten. Derzeit fehlen Anreize, Mechanismen und Regulierungen, die eine Wiederverwertungspraxis befördern. „Good Will” allein reicht eben nicht.
Auch bei der Rohstoffbeschaffung könnte eine bessere Datenlage helfen, um Messbarkeit herzustellen und Lücken in der Wertschöpfung zu identifizieren, so Dr. Britta Bookhagen, Leiterin der Abteilung „Sekundäre Rohstoffe” der Deutschen Rohstoffagentur (DERA).
Sie wies zudem darauf hin, dass das Recycling von Metallen heute schon einen beachtlichen Anteil der Rohstoffbeschaffung in Deutschland ausmacht. 2024 gab es rund 13 Mrd. Schrottimporte. Jedoch könne künftig nicht ausschließlich auf das Metallrecycling gesetzt werden, weshalb man sich in Sachen Rohstoffaufbereitung breiter aufstellen müsse.
Auch Unternehmen und die Industrie können selbst aktiv werden oder auf die Politik zugehen. Zudem sind Plattformen für Kommunikation, Austausch und Kooperationen notwendig, um den Wissens- und Technologietransfer zu beschleunigen und Innovationen voranzutreiben.
Fazit: Noch kein Ende des Abfalls in Sicht
Noch liegt ein „Ende des Abfalls“ in weiter Ferne. Aber der Anfang zu einer zirkulären ressourcenschonenden Wirtschaft ist zumindest gemacht. Diese bietet Chancen, um vorhandene Rohstoffe zu erschließen und durch Kreisläufe zu nutzen.
Allerdings muss die Kreislaufwirtschaft dazu weiter Fahrt aufnehmen. Regulatorisch gibt es zwar zahlreiche Hemmnisse. Sie sollten jedoch nicht der Grund dafür sein, bereits heute die strategischen Weichen für die operative Kreislaufwirtschaft zu stellen.
Unternehmen, die schon heute Kreislaufwirtschaftsprojekte initiieren, sehen sich zwar ebenfalls mit Hemmnissen konfrontiert. Allerdings schätzen sie die Risiken deutlich höher ein, es nicht zu tun.