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Eröffnung Tim Janssen und Nora Sophie Griefhahn C2C NGO anlässlich des 10. Cradle to Cradle Congress Foto: C2C NGO Jan Kulke

Rückschau auf den 10. Cradle to Cradle Congress

Recap zum 10. Cradle to Cradle Congress Jubiläum

Das Motto des 10. Cradle to Cradle Congress lautete „Circulate, Innovate, Celebrate!“, der vom 17. bis 18. September 2026 an der TU Berlin stattfand. Rund 1.000 Teilnehmende reisten an, um sich über Projekte und Lösungen der Circular Economy auszutauschen. Denn das Thema Kreislaufwirtschaft ist längst in Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Politik angekommen.

Die Cradle to Cradle NGO setzt sich seit über zehn Jahren für die Transformation ein. Sie versammelt Fürsprecher:innen, Vordenker:innen und Vertreter:innen aus der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie internationale Speaker:innen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft aktiv voranzubringen.

Inzwischen gibt es immer mehr konkrete Lösungen, Anwendungen und erste Geschäftsmodelle. Selbst in der Chemie-, Pharma-, Kunststoff-, Elektro-, Automobil- und Textilindustrie hat sich das Potenzial der Kreislaufwirtschaft herumgesprochen. Es wird zunehmend an kreislauffähigen Innovationen sowie skalierbaren Lösungen gearbeitet. 

Von der Vision zur Realität

Was ursprünglich als Vision begann, entwickelt sich zunehmend zu einem handfesten Wirtschaftsmodell. Im Fokus steht nicht mehr die Frage des „Ob“, sondern die Frage des „Wie“. Es geht darum, wie zirkuläre Prinzipien in Regularien verankert und in die Praxis überführt werden können. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die europäische Gesetzgebung. 

Aber auch die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie schafft einen entsprechenden Rahmen. Mit ihr wird das Ziel verfolgt, den Verbrauch von Primärrohstoffen zu reduzieren, Stoffkreisläufe zu schließen und nachhaltiges Wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken. Durch den verstärkten Einsatz von Rezyklaten können beispielsweise aus Abfällen wieder Rohstoffe gewonnen werden. Auch auf kommunaler Ebene gibt es immer mehr Beispiele für Projekte, und auch die kommunale Beschaffung ist ein zentraler Aspekt, um die Kreislaufwirtschaft lokal zu verankern. 

Ein Blick auf die internationale Landschaft verrät, dass auch andere Länder die Circular Economy aktiv vorantreiben. So brachten internationale Vertreter:innen von Verbänden aus Afrika, Asien und Australien beim Cradle to Cradle Congress Best Practices mit. All diese Beispiele verdeutlichen, wie die Kreislaufwirtschaft zur gelebten Praxis wird und eine zirkuläre Transformation auf kommunaler, regionaler und überregionaler Ebene gelingen kann. 

Technologien als Enabler

Ein weiterer Schwerpunkt des Cradle to Cradle Congress war, wie neue Technologien helfen, die Leitprinzipien von Cradle to Cradle umzusetzen. Beispiele hierfür sind digitale Produktpässe, KI-basierte Tools oder der Einsatz von Nachhaltigkeitsdaten. Die zahlreichen Beiträge zeigten, wie wichtig Technologien sind, um daraus skalierbare Lösungen zu entwickeln.

Die gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und der Röchling Stiftung ins Leben gerufene Cradle to Cradle Electronics Initiative, zielt beispielsweise darauf ab, zu zeigen, wie auch Elektronikprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette langlebig und vollständig kreislauffähig gestaltet werden können.

Heute sind es vor allem noch einzelne Pionierunternehmen, wie das Purpose Unternehmen SHIFT, die vorleben, wie sich kritische Rohstoffe aus elektronischen Geräten zurückgewinnen lassen. Eine kürzlich von der C2C NGO und Boston Consulting Group veröffentlichte Studie zeigt, wie groß die Potenziale für Cradle to Cradle sind und dass aus Elektroschrott Materialbanken sowie neue Geschäftsmodelle entstehen können, die anstelle von Produkten Services vermarkten. Sie liefert zudem erstmals konkrete Zahlen über das Ressourcenvorkommen in ungenutzten Elektrogeräten. 

Menschen mitnehmen

Abseits von Projekten, Technologien, Lösungen und Geschäftsmodellen gibt es jedoch eine Ressource, die oft vernachlässigt wird: Das sind Menschen. Hier ist es entscheidend, die Menschen auf die Transformationsreise mitzunehmen, äußerte sich Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland auf dem Kongress. 

Eine Studie des Hamburger Umweltinstituts, des Lehrstuhls von Prof. Dr. Michael Braungart an der Leuphana Universität Lüneburg und der C2C NGO wird untersuchen, wie Menschen von zirkulären Produkt- und Systementscheidungen profitieren können.   

Eine weitere Studie von ZF Friedrichshafen und der Hans-Böckler-Stiftung hat sich mit den Potenzialen der Kreislaufwirtschaft in der Automobilwirtschaft beschäftigt. Erste Ergebnisse wurden veröffentlicht, aus denen das enorme Potenzial der Kreislaufwirtschaft ersichtlich wird.  

"Wir könnten mit der Masse an Autoschrott in Deutschland unseren Bedarf an Rohstoffen für neue Autos decken und Vollbeschäftigung erreichen."

Fazit: Konkrete Beispiele zeigen neue Perspektiven auf

Die zahlreichen Beiträge auf dem Cradle to Cradle Kongress offenbarten die Bandbreite und Komplexität der Themen. Die Einblicke in konkrete Praxisbeispiele veranschaulichten, was ein Perspektivwechsel bewirken kann.

Dr. Katja Reisswig

Gründerin des branchenoffenen Digital-Magazins Technewable.com. Expertin für Kommunikation, Transfer und Transformation. Schreibt über Themen rund um die Energiewende sowie über grüne Themen mit Fokus auf Technologien, Innovationen, Lösungen und ihre Anwendungen in Projekten, Produkten und Services. Ihr Themenportfolio umfasst: Energie, Mobilität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Organisationen & Investitionen.

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