Gastbeitrag von Johannes Groß, Geschäftsführer bei Wirsol
Ein Modell für nachhaltige kommunale Energieversorgung
Während die weltweite Nachfrage nach sauberer Energie stetig wächst, nimmt Deutschland eine führende Rolle ein und zählt zu den größten Produzenten von Solarstrom weltweit. Bis 2030 soll die installierte Leistung auf rund 215 GWp ansteigen. Dieses klare Bekenntnis zur Solarenergie schafft eine stabile Grundlage, auf der Unternehmen innovative Lösungen für eine intelligentere und nachhaltigere Energiegewinnung entwickeln und umsetzen können.
Vor diesem Hintergrund gehen Städte wie Waghäusel mit gutem Beispiel voran, indem sie Deutschlands ehrgeizige Solarziele in konkrete lokale Projekte übersetzen und auf kommunaler Ebene neue Energiekonzepte vorantreiben. In dieser wachsenden Fokussierung auf nachhaltige Energiequellen nimmt Waghäusel in Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle ein, mit einem zukunftsweisenden Ansatz für das kommunale Energiemanagement.
Nachhaltige Energie für Städte und Gemeinden
Durch die Nutzung von sogenannten On-site Power Purchase Agreements (PPAs) senkt Waghäusel nicht nur die Energiekosten, sondern leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, und setzt damit Maßstäbe, an denen sich andere Kommunen orientieren können. Die Stadt hat die Dächer von neun öffentlichen Gebäuden, darunter Schulen, Feuerwehrhäuser und Kindergärten, für die Installation von neun Photovoltaikanlagen im Rahmen eines Pachtmodells zur Verfügung gestellt.
Das Projekt wurde von Wewise gemeinsam mit dem regionalen Fachunternehmen WIRSOL umgesetzt, einem führenden Anbieter in der Planung, Entwicklung und Installation von Photovoltaikanlagen. Der vor Ort in Waghäusel erzeugte Solarstrom wird im Rahmen von On-site PPA-Verträgen direkt an die Stadt verkauft.
Dies erfordert eine verlässliche und automatisierte Abrechnungslösung, um die Verträge effizient und wirtschaftlich umzusetzen. Nach diesem Vertragsmodell verkauft MAJ Solar eGbR den in den städtischen Gebäuden verbrauchten Solarstrom direkt an die Stadt; überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist und entsprechend vergütet.
Die Stadt profitiert von günstigem Solarstrom
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Anlage erzeugt jährlich bis zu 630.300 kWh Strom. Da die städtischen Gebäude pro Jahr rund 133.886 kWh verbrauchen, kann Waghäusel einen beachtlichen Energieüberschuss von 496.419 kWh in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Dieser Überschuss stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg der Stadt zu mehr Energieautonomie dar und leistet zugleich einen Beitrag zur lokalen Stromversorgung. Darüber hinaus senkt das Projekt die CO₂-Emissionen um 294 Tonnen pro Jahr und unterstützt Waghäusel dabei, dem Klimawandel wirksam entgegenzuwirken und eine grünere Zukunft für seine Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Das Modell bietet dem Anlagenbetreiber deutlich höhere Erträge als eine vollständige Netzeinspeisung, während die Stadt von günstigem Solarstrom profitiert, ganz ohne eigene Investitionen.
Die erfolgreiche Umsetzung dieser Projekte in Waghäusel hat wesentlich dazu beigetragen, die städtischen Ziele zur Senkung der Energiekosten und zur Minderung des Klimawandels zu erreichen. Die Initiative ist ein zukunftsweisendes Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Onsite-PPAs in kommunalen Liegenschaften und zeigt, wie wirtschaftlich tragfähig und vielversprechend Mieterstrommodelle für den öffentlichen Sektor und externe Betreiber sein können. Darüber hinaus gibt es bereits Pläne, die gewonnenen Erkenntnisse auch für ähnliche Projekte in anderen Kommunen zu nutzen, ein wichtiger Schritt hin zu nachhaltigen und dezentralen Energielösungen in ganz Deutschland.
Energiewende ermöglichen mit flexiblen Solarfinanzierungen wie PPA
Der Erfolg der Solarinitiative in Waghäusel zeigt eindrucksvoll, wie die Installation von Photovoltaikanlagen die Stromkosten um bis zu 50 % senken und die Abhängigkeit vom öffentlichen Netz deutlich verringern kann. So bleiben Unternehmen, Gemeinden und Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor den Schwankungen der Strompreise geschützt, die durch Marktbedingungen oder die begrenzte Verfügbarkeit konventioneller Energiequellen entstehen.
Heute stehen verschiedene Finanzierungsmodelle zur Verfügung, um den Umstieg auf Solarenergie zu unterstützen. Ein wesentlicher Vorteil dieser Modelle besteht darin, dass sich die Investitionskosten über einen längeren Zeitraum verteilen lassen, anstatt eine hohe Anfangsinvestition zu tätigen. Durch Finanzierungsformen wie PPAs können Unternehmen ihren Cashflow gezielt steuern und gleichzeitig in Wachstum investieren. Viele Betriebe, die sich für eine solche Finanzierung entscheiden, verzeichnen sofortige Einsparungen bei ihren Energiekosten von 20 bis 40 %, und das, ohne eigenes Kapital zu binden oder unnötige Risiken einzugehen.lar
PPA Finanzierung schafft Flexibilität und Sicherheit
Die Finanzierung über PPAs bedeutet auch ein gutes Stück Sicherheit: planbare Zahlungen, garantierte Leistung durch den Anbieter und die Flexibilität, Energielösungen an das Wachstum des Unternehmens anzupassen. Das Ergebnis ist klar: Schnellere Renditen, ein stärkeres Nachhaltigkeitsprofil und ein echter Wettbewerbsvorteil. Solarenergie wird damit nicht nur zur Energielösung, sondern zur Wachstumsstrategie.
Power Purchase Agreements, ob vor Ort oder extern umgesetzt, bieten Unternehmen zudem einen stabilen und kalkulierbaren Strompreis über einen Zeitraum von 15 Jahren oder länger. Diese langfristige finanzielle Planungssicherheit ist von unschätzbarem Wert für ein verlässliches Budget- und Investitionsmanagement.
Maximierung der Energieautonomie
Bei der Prüfung eines PPA sollte auch das Potenzial der Kombination von Solarenergie und Batteriespeichern berücksichtigt werden, eine intelligente Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu erzielen und weiteres Wachstum zu unterstützen. Durch die Bereitstellung von Flexibilitätsdiensten für das nationale Stromnetz können Unternehmen und Kommunen ihre technischen Kapazitäten monetarisieren und gleichzeitig zur Netzstabilität beitragen. Dieser Mehrwert führt zu höheren Renditen auf saubere Energieinvestitionen, ökologisch wie wirtschaftlich ein Gewinn.
Kurz gesagt: Die Verbindung von Solarenergie und Speicherlösungen erweist sich als strategische und erfolgreiche Grundlage für intelligenteres Wachstum, höhere Widerstandsfähigkeit und eine nachhaltigere Energiezukunft. Betriebliche Widerstandsfähigkeit bedeutet, dass Unternehmen und Kommunen auch in Zeiten hoher Nachfrage zuverlässig weiterarbeiten. Durch die intelligente Vernetzung von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Energiemanagement-Software lässt sich der Energieverbrauch optimieren, die Kosten werden gesenkt und die Unabhängigkeit vom Stromnetz gestärkt.
Energiemanagementsysteme ermöglichen bis zu 95 Prozent Energieautarkie
Diese Technologien ermöglichen es, Energie gezielt dann zu nutzen, wenn erneuerbare Quellen reichlich verfügbar sind und die Preise niedrig liegen, was die Kosteneffizienz erheblich steigert. Durch die Optimierung der Eigenerzeugung und -speicherung mittels Energiemanagement-Software können Gebäude eine Energieautarkie von bis zu 95 % erreichen.
Intelligente Energiemanagement-Plattformen spielen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen es Unternehmen, Lasten gezielt auf optimale Zeiten zu verlagern, sodass der laufende Betrieb selbst bei hoher Energienachfrage reibungslos weitergeführt werden kann. Diese Fähigkeit ist insbesondere für wachsende Unternehmen von großem Vorteil, da sie dank Batteriespeichern und eigener Energieerzeugung die oftmals langwierigen Prozesse zur Erweiterung der Netzanschlüsse umgehen können.
Waghäusels ERfolgsgeschichte macht Schule
Die Kombination von Solarenergie mit innovativen Finanzierungsmodellen wie PPAs bietet einen überzeugenden Fahrplan für nachhaltiges Wachstum. Die Erfolgsgeschichte von Waghäusel verdeutlicht das transformative Potenzial dieser Strategien und zeigt, dass Kommunen und Unternehmen gleichermaßen Energieunabhängigkeit und Kosteneinsparungen erreichen können.
Die Einführung solcher Lösungen begegnet nicht nur aktuellen Energieherausforderungen, sondern ebnet auch den Weg für eine widerstandsfähige und nachhaltige Energiezukunft. Je mehr Gemeinden und Unternehmen dem Beispiel Waghäusels folgen, desto greifbarer wird die Vision einer saubereren, effizienteren Energielandschaft.
Johannes Groß
Johannes Groß ist Geschäftsführer von Wirsol (unterstützt von Wewise) und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Photovoltaikbranche. Engagiert für die Energiewende hat er gemeinsam mit seinem Team über 17.000 Photovoltaikanlagen realisiert.
Quellen:
- Solar power in Germany – output, business & perspectives – Benjamin Wehrmann, 28/05/2025 – cleanenergywire.org [Link]