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Wie den Wandel in der Energiewirtschaft gestalten? (TEIL 2)

Maßnahmen zur Anpassung an eine veränderte Unternehmensumwelt

Im ersten Teil der Beitragsreihe „Wie den Wandel in der Energiewirtschaft gestalten?“ ging es um aktuelle Herausforderungen in der Energiewirtschaft, die im Rahmen der „Smart Renewables 2017“ Leitveranstaltung des BDEW diskutiert wurden. Der zweite Teil der Beitragsserie will Antworten auf die Veränderungen in der Unternehmensumwelt finden sowie Handlungsoptionen und Maßnahmen identifizieren, mit denen Unternehmen der Energiewirtschaft auf die Veränderungen in Ihrer Unternehmensumwelt reagieren können.

Optionen dem Wandel zu begegnen: Gründung neuer Geschäftseinheiten und Kooperationen

Hier bieten sich den Unternehmen verschiedene Optionen. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise im Gründen von neuen Geschäftseinheiten, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Diesen Weg hat die RWE AG beispielsweise mit Gründung von innogy als innovative Tochterfirma eingeschlagen. Jüngst hat sich auch das Berliner Traditionsunternehmen die GASAG mit Gründung der GASAG Solution Plus GmbH dazu entschieden, Serviceeinheiten auszulagern.

Eine weitere Option, um auf den Wandel der Unternehmensumwelt zu reagieren, bietet sich in Form von Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Start-ups, um neue Lösungen am Markt zu platzieren. Beispiele hierfür sind der Zusammenschluss des Cleantech-Unternehmens eluminocity mit dem Technologiekonzern Infineon. Sie arbeiten gemeinsam an Lösungen im Bereich der Elektromobilität, um Energie zu sparen und die Vernetzung voranzubringen. Ein anderes Beispiel hier ist die Kooperation des Start-ups Lemonbeat mit dem Unternehmen Phoenix Contact. Für seine Gebäudetechnologie nutzt Phoenix Contact die smarte und nachhaltige IoT-Technologie des Start-ups, um die technische Komplexität in der Gebäudeautomation zu vereinfachen und Kosten zu reduzieren.

Nicht immer ist es leicht, einen passenden Kooperationspartner zu finden. Hier hilft beispielsweise die Plattform von energieloft weiter. Sie bietet Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen die Option, neben einer Außendarstellung, Kooperationsgesuche am Projektmarktplatz aufzugeben und über ihren Innovationsradar auf dem Laufenden zu bleiben, was neue Technologien und Lösungen angeht.

Erfahrungen zeigen, dass Kooperationen zum beidseitigen Nutzen der beteiligten Kooperationspartner beitragen. So können beispielsweise etablierte Unternehmen von neuen Technologien, Know-how und innovativen Geschäftsmodellen der Markt-Newcomer profitieren. Im Gegenzug erhalten Start-ups Zugang zu Märkten, Netzwerken, Infrastruktur und Ressourcen.

Aufgaben für die Anpassung an veränderte Unternehmensumwelten

Doch bis es zu einer Kooperation oder Gründung neuer Geschäftseinheiten kommt, sind einige Schritte nötig. Denn die Anpassung an veränderte Unternehmensumwelten setzt die Auseinandersetzung mit dieser voraus. Mit der Anpassung an veränderte Unternehmensumwelten kommen viele neue Aufgaben auf Unternehmen zu. Es sind Marktkenntnisse nötig, wohin sich der Markt bewegt, welche Trends sich an den Märkten abzeichnen und mit welchen neuen Herausforderungen zu rechnen ist.

Es geht darum, vorausschauend zu agieren. Dazu ist Klarheit nötig, über Fragen wie beispielsweise über welche Kompetenzen das Unternehmen verfügt, welche Rolle es im künftigen Energiemarkt anstrebt und welche Kompetenzen, Ressourcen, Kooperationen in naher Zukunft benötigt werden. Dafür braucht es neben Aufgeschlossenheit und Know-how, ebenso entsprechende Organisationsstrukturen, Prozesse, Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen.

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Wichtig ist auch die Klärung der Frage, welchen Teil der Wertschöpfungskette Unternehmen der Energiewirtschaft künftig bedienen wollen? Absehbar ist, dass es immer schwieriger sein wird, alle Bereiche der Energiewirtschaft in einem Unternehmen abzudecken. Vielmehr empfiehlt es sich, die Wertschöpfungskette in einzelne Wertschöpfungsmodule aufzuteilen und von einzelnen Akteuren der Energiewirtschaft bedienen zu lassen. So betonte Uli Huener, Leiter EnBW Energie Baden-Württemberg AG aus Stuttgart auf dem Podium “Energieversorger 4.0: Was müssen Energieunternehmen in Zukunft leisten, um erfolgreich zu sein?“ bei der „Smart Renewables 2017“ Leitveranstaltung des BDEW, dass die künftige Aufgabe von Unternehmen der Energiewirtschaft darin läge, ihre eigene Rolle am Energiemarkt zu finden und Mitarbeiter bei den Entwicklungen mitzunehmen:

„Die Entwicklung von mittelfristigen Unternehmensstrategien sei nötig, um trotz aller aktuellen Marktgegebenheiten eigene Ziele zu formulieren und zu verfolgen. Augenmerk müsse hierbei auf verschiedenen Ebenen des Unternehmens gelegt werden. Zum einen seien Mitarbeiter mitzunehmen. Das erfolge zum einen durch eine entsprechende Einbindung in die Gestaltung und Kommunikation von Unternehmensstrategien. Zum anderen müsse den Mitarbeitern die Chance gegeben werden, Einblick in die Start-up Kultur zu erlangen. Darüber hinaus, und das sei die Kür, gehe es darum, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und wieder in das Unternehmen zurückzuspielen.“

Carsten Hoffmann, Vorstand GGEW Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße AG aus Bensheim ergänzt:

„Energieversorger müssen davon wegkommen, alles im Energiesektor abbilden zu wollen. Das Angehen von Kooperationen bringe Nutzen für beide Seiten. Die Frage ist eher, wie sich die richtigen Kooperationspartner finden lassen. Gerade für Energieversorger sei es wichtig, sich attraktiv für Start-ups zu machen. Das gelinge beispielsweise durch Ideen-Wettbewerbe.“

Unternehmen der Energiewirtschaft müssen sich neu erfinden

Viele etablierte Unternehmen der Energiewirtschaft stehen somit derzeit vor einer vollständigen Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle und Unternehmen. Sie müssen sich quasi neu erfinden, da ihre bestehenden Geschäftsmodelle in absehbarer Zeit überholt sein werden. So wird prognostiziert, dass das Produkt Strom und sein Verkauf in Form der Kilowattstunde am Energiemarkt künftig eine immer geringere Rolle spielen wird.

„In Zukunft wird der Verkauf der Kilowattstunde nicht mehr die Hauptrolle spielen. Mit Lösungen und Kundenvalue werden Schlachten geschlagen. Es wird neue Anbieter, Start-ups, Energiegenossenschaften sowie mehr branchenfremde Akteure auf dem Markt geben“, so Uli Huener weiter.

Fazit: Ein Umdenken in der Energiewirtschaft ist gefragt

Neue Technologien ermöglichen neue Lösungen am Markt. Sie bringen veränderte Aufgabenstellungen für Unternehmen mit sich. Diese erfordern Anpassungen der Geschäftsmodelle und Organisationsformen für Unternehmen der Energiewirtschaft. Künftig wird es bei Unternehmen der Energiewirtschaft und Energieversorgern um das Erbringen von Services gehen, mit denen sie Mehrwert für Kunden erbringen. Diese Kundenorientierung erfordere ein Umdenken in der Energiewirtschaft, weg vom reinen Stromprodukt hin zum Kundenvalue.

 

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