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Saubere E-Bikes und E-Motorräder – Zukunft auf Zweirädern

Elektromobilität auf dem Vormarsch – E-Motorräder vorn dabei

Die ersten Autos waren elektrisch. Dann kam das transportable Benzin und stieß E-mobile vom Thron. Jetzt ist die Zeit für eine Revolution gekommen. Dass Verbrenner der Vergangenheit angehören, haben bereits auch so manche Automobilhersteller verstanden -Teslas Vorstoß sei Dank! Mittlerweile ist der Siegeszug der elektrischen Fortbewegung nicht mehr aufzuhalten, weder von den Automobil-Firmen noch ihrer Lobby. Schnelle Eroberung sieht aber definitiv anders aus.

Der Anfang der E-Mobilität

Motorräder bleiben von der sauberen Technologie natürlich nicht verschont. Da unterstützende Elektrofahrräder (Pendelec’s) bereits heute 80 km/h fahren, war der Schritt zur Elektrisierung des Motorrads nicht mehr weit.

Die Anfänge der sauber angetriebenen 2-Räder machten Elektro-Roller, die im 19. Jh. schon beachtliche 30-50 km fuhren. Als dann die im Vergleich deutlich praktischeren Benzinmotoren um 1899 aufkamen, verschwanden die E-Bikes vorerst.

Doch die beeindruckend leistungsstarken Lithiium-Ionen Speicher ermöglichen einen Neueinstieg auch im Motorradmarkt. Als erste wirkliche Konkurrenz der Verbrenner trat vor Brammo und Mission Zero Motorcycles als Tesla Nachbar aus dem Sillicon Valley in den Ring. Nur begrenzt bescheiden vergleichen sich die Schöpfer der „Zero S“  mit Tesla.

Die Reichweite von E-Motorrädern

Die Entwicklung der Lithium-Ionen Akkus geht mittlerweile so gut voran, dass sich die Reichweite der 2016’er Modelle von Zero auf aktuell um die 300 Km in der Stadt bewegt. Dies ist grade noch mit Lithium-Ionen Akkus leistbar, fraglich bleibt jedoch wann und ob die energiedichtere Li-Luft oder Li-Schwefel Technik bald nicht doch verbaut werden kann.

Vor kurzem sind Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) noch auf eine andere Möglichkeit gestoßen: Fluorid-Metallionen. Die Energiedichte ist um 10-mal höher als die Li-Ionen-Schwester. Allerdings funktioniert sie bisher nur bei 150°C -Grade an kalten Tagen könnte es Probleme geben.

Endlich Schluss

Auf der Seite von Zero Motorcycles gibt es eine Grafik: 17 Dinge, die sie nicht mehr tun müssen, worüber ich etwas schmunzeln musste. Der Ölwechsel ist überflüssig. Die Kupplung muss nicht mehr ausgetauscht, oder Zündkerzen erneuert werden. Tankstellen müssen in Zukunft nur noch für den Reifendruck angesteuert werden. Das perfekte Leben. Sorry an die, denen tanken so viel Spaß macht.

Liste der Hersteller:

  • Lightning
  • Brammo /Victory
  • Saietta Motorcycles
  • Zero Motorcycles
  • Johammer
  • KTM (Freeride E)
  • Tactia
  • BMW (S1000 eRR)
  • Energica
  • Voxan
  • Munch
  • Mission Motorcycles (heute sf moto)
  • Lito Green
  • Harley Davidson

Firmen, mit erhältlichen Modellen. *(Kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Aktuelle E-Motorräder Modelle auf dem Elektrofahrzeugmarkt

Zero wartet als einziger Hersteller mit einem ganzen Fuhrpark an technischen Wunderwerken an E-Motorrädern auf. Die Motorradbauer haben sich ein eigenes Akku und Motorsystem patentieren lassen. Z-Force nennt sich die Technik.

Die selbstentwickelte Batteriezellenchemie ist nach eigenen Angaben die leistungsstärkste auf dem Elektrofahrzeugmarkt und der Motor kommt ohne sog. „Bürsten“ aus, was verringerte Reibung zur Folge hat. Die Modelle ab 2015 lassen sich mit dem ‚Charge- bzw. Power-Tank‘ aufpäppeln.

Zero S 2016

Das S steht natürlich für Streetfighter

zf 9.8: 12.490€

Die getestete Reichweite für den städtischen stop-and-go Verkehr beträgt 195 km

zf 13.0: 15.350€

Das naked Bike hat eine max. Reichweite laut Hersteller: in der Stadt: 317 Km (mit
Energypack) und 158km bei 113km/h.

Ohne Energypack: 259 Km bei 50 km/h

Zero SR 2016

Der Renner aus Kalifornien und Zeros stärkstes Pferd im Stall und zieht laut Focus.de „die Wurst vom Teller“. Angesichts der Daten, 144 nm; in 3,3 sek von 0 auf 100; umgerechnet 64 PS, kann man das mal so stehen lassen. Dieser „Sportler“ kommt allerdings auch in der Gestalt eines nackten Straßenmotorrads daher. Obwohl Sport-Racing dran steht, ist auf Supersportler typische Aerodynamik verzichtet worden.

Zero DS 2016

Mit der elektrischen Reiseenduro bieten die Amerikaner auch für den „Adventure-Fahrer“ ein passendes E-Motorrad an. Hier stellt sich die Herausforderung im Gelände und auf längeren Strecken unterwegs zu sein für die Hersteller. Denn Reichweite lässt sich durch weiter schwere Akkus erweitern, schwere E-Motorräder sind ‚Offroad‘ allerdings deplatziert. Ich möchte an dieser Stelle auch dringend davon abraten mit seinem 1200 ccm Sporttourer ins Gelände zu fahren. Aus eigener Erfahrung ist das eine schlechte Idee.

Zero DSR 2016

Die DSR ist die robustere Version der DS, da sie sowohl über 50% höheres Drehmoment und 10 kW (13 ‚Pferdchen‘) mehr verfügt. Hierfür hat man den Motor mit Temperatur beständigeren Magneten ausgestattet.

Zero FX und FXS

Natürlich wurde auch an den Supermoto Fahrer gedacht. Denn noch weniger Gewicht als die DS bringen diese zwei Exemplare mit. Besonders ist hier das man die Batterie modular entfernen und extern laden kann. Optional und mit einem Aufpreis von über 2.000 € kann man sich für einen Charge-Tank oder den Power-Tank anstelle des Stauraumes im Tankbereich bei diesem E-Motorrad entscheiden. Der Charge-Tank verkürzt die Ladedauer auf 2-3 Stunden und mit dem Power-Tank lassen sich ein paar Kilometer mehr draufpacken.

Tacita

Wer die Enduros von Zero noch zu gewöhnlich findet, für den kommt aus Italien noch ein ganzes Enduro-Setup an E-Motorrädern:

TR-Diabolika: Das Alltagsmotorrad der Italienischen Offroad-Schmiede.
Mit ihr kommt man etwas über 160 km weit (beim 10.6 kWh Modell) in der Stadt und ca. 90 km mit dem 5,3 kWh Modell.

T-Race-C: Das C steht hier für Cross, also reden wir hier von schmutzigen Rennen. Bezüglich der Strecke, die dieses Motorrad fährt, geben die Hersteller nur an, dass man etwas über 1 1/4h fahren kann bevor 10% Rest-Energie verbleiben.

T-Race-E: Um den Abkürzungswahn komplett zu machen: E für Enduro. Dieses Motorrad ist fernab der Straße und Zivilisation Zuhause, und stört dabei nichtmal heimische Wald-und Wiesen Bewohner. Bevor die Reserve bei 20% angeht, kann man 60 km puren Trail-Spaß erleben.

TR-Rally: Optisch kann man zum ersten elektrischen Debütanten der African Rally auf jeden Fall sagen: Das ist mal eine Reiseenduro. Allerdings sind 120 km vor der 20% Marke noch verbesserungswürdig für Tourer. In der Wüste ist das Ladesäulen-Netz nämlich noch ausbaufähig.

TR-Motrad: Auch Tactia wirft, wie ihre Landsleute von Energica, eine Limited Edition auf den Markt. Diese hier erinnert äußerlich stark an eine KTM, was aber auch nicht schlimm ist. Denn mit ihr fährt man bis zu 2 Stunden ohne dass der Reserve Modus anspringt.

Brammo Empulse R

Bis zu 200 Km gab der Hersteller für das 2014 E-Modell als Stadtreichweite an. 90 Nm aus dem Stand liefert der 40 kW starke Motor. Bis zu 177 km/h und um die 100 km schafft man mit ihr. Hierfür durfte man 17.493€ auf den Tisch legen. Nachdem Sich Polaris die Firma unter den Nagel gerissen hat, wurde der Verkauf der E-Motorräder in Deutschland gestoppt.

Victory TT

Die Victory TT ist das Resultat der Übernahme von Brammo Motorcycles. Victory hat die Empulse neu überarbeitet. Die 55 Pferde können einen 100 km weit bringen, wer das Sechsgang-Getriebe vorausschauend nutzt, kommt auch bis zu 160 Km weit. Mit 20.000€ liegt sie allerdings auch eher im Oberklasse-Bereich.

Lightning

Das E-Bike, welches wohl die meisten Schlagzeilen gemacht hat: denn es wurde zum aktuell schnellsten Serienmotorrad erklärt. Mit  351 Km/h raste der ‚Bitz‘ über die Amerikanische Teststrecke. Zu haben ist das Statussymbol mit 28.250€. Der Clou: Man kann zwischen Batteriegrößen 12; 15 und 20kWh wählen, was bei Letzterem bis zu 290km entspricht.

Energica Ego

190nm; 136PS, spitze bei 240Km/h von 0 auf 100 in unter 3 Sekunden. Klingt als wäre das E-Motorrad auf den richtigen Namen getauft worden. An der Ampel lässt man damit fast jeden Sportwagenbesitzer dumm gucken. Energica gibt eine Lebensdauer von 1200 Ladezyklen der Li-Polymer Batterie an.

Energica Eva

Als Schwester der Ego lassen sich die Beschleunigungsgene nicht leugnen. Es bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen ihren Focus hier auf Wendigkeit und Tourentauglichkeit legt. Abgeriegelt ist das Motorrad bei 200 km/h. Es ist hier, wie auch bei der Ego, möglich Ladesäulen per Display zu reservieren. Navi und umfangreiche Streckenauswertung sind technisch nur die Spize des Eisbergs.

Saietta

Für alle die es abgespacter haben wollen. Hier gibt es alles was das Individualitäts-Bedürfnis befriedigt. Mit diesem E-Motorrad kauf man sich, genau wie bei Johammer, verdutzte Blicke dazu –egal wohin man fährt. Doch auf die NGS (Next Generation Saietta) lässt das britische Unternehmen Agility Motorcycles noch etwas warten.

Die ersten Kunden werden mit einer Limited Edition laut Agility vor Ende 2017 beliefert. Hierfür Legt man allerdings auch um die 50.000£ (umgerechet etwas über 67.000€) auf den Tisch. Viel mehr ist über die NGS allerdings nicht bekannt, man kann sich aber für weitere Infos für den Newsletter eintragen:  http://saiettamotorcycles.com/

Johammer

Österreichische Starwars-Fans mit der Mission ein Motorrad zu bauen. Das Ergebnis ist ein Untersatz, der auch gut in Sciencefictionfilme gepasst hätte. 200 Km weit kommt man mit dem Elektro Chopper. Preislich ist man auch hier mit 24.900€ dabei, wenn man pro Ladung 200 km weit kommen möchte.

BMW

Aus Bayern kommt zumindest etwas Innovation. Die Motorwerke haben mit dem C-Evolution nämlich zumindest schon mal einen Elektroroller auf den Markt geworfen. Es war allerdings ein Studentenprojekt das die BMW S1000 RR elektrisiert hat. Als solches ist sie zumindest schonmal als Prototyp entworfen und auf den Namen Thor getauft. Jetzt bleibt abzuwarten wie lange das Unternehmen braucht, um über eine Serienfertigung von echten E-Motorrädern nachzudenken und sie zu realisieren.

Projekt Livewire

E-Motorrad à la Harley Davidson, auch das geht, und zwar laut. Die Motorradbauer aus Milwaukee verstehen es, die Philosophie des Unternehmens auf saubere Weise zu transportieren: Präsentation ist alles. Denn das Gefährt „Livewire“ dröhnt wie ein Düsentriebwerk und schreit förmlich „seht mich an“. Mit einer zurücklegbaren ein-ladungs-Strecke von 85 km nicht unbedingt ein Quantensprung, was das durchaus gelungene Design fast wieder wettmacht. Zu kaufen soll Die Maschine aus dem Avengers Film „age of Ultron“ erst Ende 2016 sein.

Lito Sora

Auch für Cafe Racer Fans gibt es einen elektrischen Vertreter. Denn der kanadische Hersteller Lito Green Motion hat ein Motorrad auf die Straße gebracht, das die Schere zwischen zeitgemäßer Technik und Oldtimer-Look schafft. Der durchschnittliche Motorradfahrer wird sich nach einem Blick auf den Preis aber zweimal überlegen, ob er da zuschlägt. Für das 90 nm Starke und maximal 190 km/h schnelle Luxus-Custombike zahlt man nämlich umgerechnet mindestens  70.500€. Dafür bekommt man aber auch wirklich viel Motorrad: mit 260 kg, einem 12kWh Akku und damit verbundenen 100-200 km Reichweite, verstellbarer Sitzhöhe sowie Navi und viele weitere technische Spielereien, hat die Lito Sora alles was sie braucht und ist beim Vorfahren überall ein Blickfang.

Fazit

E-Motorräder sind heute bereits was technische Daten angeht in fast allen Belangen besser als ihre benzinschluckenden Geschwister. Es gibt bereits für jeden Motorradtyp elektrische Vertreter. Der einzige Nachteil ist noch der aktuell viel zu hohe Kaufpreis bei den Kandidaten mit ernstzunehmender Reichweite. Hier legt man momentan ca. 20.000€ auf den Tisch.

Zum einen ist das den hohen Batteriepreisen geschuldet, zum anderen werden Neue Märkte leider immer zuerst von oben angegangen. Das wird sich hoffentlich schnell ändern, sobald die Batterietechnologie weitere Schritte nach vorne macht. Solange die Firmen die Preise derart oben halten, kann sich nur ein kleiner Teil der Motorradfahrer den Luxus leisten, elektrisch unterwegs zu sein. Solange, liebe Hersteller, wird sich auch auf dem Mobilitätsmarkt nichts ändern.

Aussicht auf 2016

Wie schon erwähnt wird sich die Technologie schnell verbessern, wie sie es schon immer getan hat -in keiner anderen Branche so gnadenlos wie in der High-tech Industrie. Zumindest, wenn man dem Moorschen Gesetz (Verdoppelung der Transistoren bei gleichen Kosten alle 2 Jahre) Glauben schenkt.

In Zukunft wird sich hier auch weiter einiges tun. Wie oben gesagt, bleibt abzuwarten, wie vielversprechend die Fluorid-Metallionen Technik ist. Hersteller, die serienfertige Maschinen anbieten wollen, sind unter anderem Munch und BMW.

Wie sich der Markt entwickeln wird? Die Antwort ist dieselbe wie auf die Frage, ob der Durchschnitt der Biker bereit ist auf Lärm und Verschmutzung zu verzichten. Das wird die nahe Zukunft zeigen. Rebellen und Pioniere, die sich der Revolution anschließen, haben zurzeit auch das entsprechende Portemonnaie.

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Marc Verl

Marc ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seine Leidenschaft verbindet er vielseitig mit anderen Themen, wie den Erneuerbaren Energien, der Elektromobilität, dem Reisen und dem Gründen.