Green Research

Zweitbeste Lösung für den Klimaschutz

Klimaschutz benötigt Mix von Politikinstrumenten

Laut einer aktuellen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ist es recht unwahrscheinlich das Zwei-Grad-Klimaschutzziel über höhere Preise für CO2-Emissionen zu erreichen. Genauso wenig reiche es aus nur auf neue Technologien zu setzen. Stattdessen sei der Einsatz verschiedener politischer Instrumente nötig, um weltweit klimaschädigende CO2-Emissionen zu verringern.

„Es ist heute klar, dass viele Länder auf Technologiepolitik setzen. Technologiepolitik allein führt jedoch nicht zur Emissionsreduktion, sondern sie muss durch einen CO2-Preis ergänzt werden“, sagt Ko-Autor Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des PIK. „Ein hoher CO2-Preis wäre ökonomisch zwar effizienter, ist aber nur schwer durchsetzbar. Eine Technologiepolitik verbunden mit einem lediglich moderaten CO2-Preis führt zwar zu höheren Kosten, ist dafür aber leichter durchsetzbar. Deshalb kann ein solcher Mix von Politikinstrumenten den Einstieg in eine Klimapolitik erleichtern. Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels begrenzen wollen, ist es absolut entscheidend, dass wir umfassende und deutliche Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasen bereits zwischen 2015 und 2020 ergreifen. Anderenfalls steigen sowohl die Risiken des Klimawandels als auch die Kosten des Klimaschutzes steil an.“

Erreichbar sei das Zwei-Grad-Klimaschutzziel, laut Studie, demnach durch einen moderaten CO2-Preis und der Förderung grüner Technologien. „Der gängigen Wirtschaftstheorie zufolge brauchen wir einen weltweiten Preis für Treibhausgas-Emissionen, wenn wir die globale Erwärmung unter zwei Grad halten wollen, und dieser Preis müsste wahrscheinlich mehr als 30 US-Dollar pro Tonne CO2 betragen“, sagt Christoph Bertram vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Leit-Autor der Studie. „Dies scheint eher unrealistisch, wenn man sich die Bilanz der bisherigen Klimapolitik anschaut.“

Deshalb untersucht die neue Studie nicht optimale Politik, sondern zweitbeste Lösungen. „Zum ersten Mal können wir zeigen, dass bis 2030 ein eigentlich zu niedriger Preis für CO2 in Höhe von 7 US-Dollar den nötigen Umbau des Energiesystems anstoßen kann, wenn die Staaten der Welt zugleich ein technologiepolitisches Paket auf den Weg bringen.“ Durch den gezielten Einsatz von politischen Instrumenten und Maßnahmen ließe sich das Klimaschutzziel somit, wenn nicht auf direktem Weg, so jedoch über Umwege erreichen. Gleichzeitig fanden die Forscher heraus, dass Technologiepolitik sich besser mit einer CO2-Steuer kombinieren lässt, als mit einem auf Emissionsobergrenzen basierenden Emissionshandelssystem.

Stopp dem Zubau neuer Kohlekraftwerke

Eine weitere entscheidende Maßnahme wäre der Stopp des Zubaus neuer Kohlekraftwerke. Der Bau neuer Kohlkraftwerke sei für das Erreichen der Klimaschutzziele zutiefst kontraproduktiv. Kohlekraftwerke verdrängen nicht nur saubere Anlagen, wie Gaskraftwerke, sondern zementieren auch einen hohen CO2-Ausstoß für die nächsten Jahre. Sie würden aufgrund ihrer langen Betriebslaufzeiten über viele Jahre hinweg klimaschädliches CO2 ausstoßen. Doch nur lange Betriebslaufzeiten rechtfertigen Investitionen in die Anlagen. Der Bau von Kohlekraftwerke bindet finanzielle Mittel, die für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Erforschung sauberer Technologien und der Umsetzung klimaschützender Maßnahmen benötigt werden.

„Erfolgreiche Klimapolitik darf nicht nur auf die kurzfristige Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen schauen, sondern muss auch den langfristig notwendigen, tiefgreifenden Emissionsminderungen den Weg bereiten“, sagt Projektleiter und Ko-Autor Gunnar Luderer, ebenfalls vom PIK. „Kluge Technologiepolitik sollte unverzichtbare grüne Technologien in den Markt bringen und gleichzeitig vermeiden, dass zusätzliche emissionsintensive Infrastruktur aufgebaut wird.“ So treibt etwa ein Ausbau der Stromerzeugung mit Kohle nicht nur die heutigen Emissionen hoch, sondern macht wegen der langen Lebensdauer der Kraftwerke auch künftige Reduktionen schwieriger. Ein Verzicht auf neue Kohlekraftwerke ohne CO2-Abscheidung, wie er derzeit in den USA umgesetzt wird, könnte deshalb ein wertvolles Element einer globalen Klimaschutzstrategie sein.

Förderung grüner Technologien

Die Förderung von grünen, umweltfreundlichen Technologien kann somit einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dabei sind verschiedene Förderformen denkbar. Auf indirekte Weise beispielsweise durch Einspeisetarife, Quoten oder Steuererleichterungen für sauberen Strom. Auf direktem Weg über Investitionen und Förderungen in Forschung und Entwicklung. Ebenso könnten strengere Grenzwerte festgelegt werden für emissions- und umweltschädigende Technologien. Notwendig sind langfristige Investitionen, wie beispielsweise …

  • Die Förderung der erneuerbaren Energien und der konsequente Aufbau einer emissionsarmen Infrastruktur
  • Die Erforschung der Abscheidung und Einlagerung von CO2
  • Das Festlegen strengerer Grenzwerte für besonders umweltschädigende Technologien, wie beispielsweise Braunkohle
  • Die Anwendung von sauberen Technologien

Viele dieser Maßnahmen und Instrumente sind bereits erprobt und werden vereinzelt von Regierungen genutzt. Eine Bündelung der Maßnahmen und die weltweite Verbreitung könnte helfen bis zum Jahr 2030 ehrgeizigere Klimaschutzziele zu verfassen, als dies gegenwärtig geschieht. Bislang einigen sich Regierungen auf den internationalen Klimaschutzkonferenzen immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Durch die Umsetzung verschiedenster Maßnahmen könnte zudem auch der Weg zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft eingeleitet werden.

Würden Regierungen weltweit diese Instrumente für sich in Anspruch nehmen, könnte das Zwei-Grad-Klimaschutzziel dennoch erreicht werden. Preissteigerungen für CO2-Emissionen wären zwar immer noch sinnvoll, jedoch nicht das einzige Mittel. Zudem erhielten Regierungen dadurch mehr Spielraum einzelne Maßnahmen sinnvoll miteinander zu kombinieren. Sie könnten ihre eigenen „Klimaschutzpakete“ schnüren und diese auf nationaler Ebene umsetzen.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Computersimulationen der globalen Energiewirtschaft. Solche Simulationen wurden schon häufig für Analysen von auf CO2-Bepreisung basierenden Klimaschutzstrategien eingesetzt. Die Studie ist jedoch die erste, die sich mit der Wirksamkeit einer Reihe unterschiedlicher Politikwerkzeuge befasst und diese miteinander vergleicht sowie die Wechselwirkung der Werkzeuge quantifiziert.

Artikel: Bertram, C., Luderer, G., Pietzcker, R., Schmid, E., Kriegler, E., Edenhofer, O. (2015): Complementing carbon prices with technology policies to keep climate targets within reach. Nature Climate Change (Advance Online Publication) [DOI:10.1038/NCLIMATE2514]

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Quellen: Nature Climate Change
Katja Reisswig

Katja Reisswig