Green Start-Ups

Interview mit den Gründern von enffi – rethink energy – 2. Teil

Während im ersten Teil unseres Interviews die Smartphone-App enffi und ihr Beitrag zur Energiewende im Fokus stand, widmen wir den zweiten Teil des Interviews dem Start-up „enffi“ und berichten ausführlich, wie das Projekt entstanden ist und welche weiteren Schritte auf ihrer Agenda stehen.

2. Teil: Über das Start-up „enffi“ und ihre nächsten Schritte

Technewable: Wie ist Euer Gründungsprojekt entstanden? Was hat den Ausschlag dazu gegeben?

Max: Während Chris in Dänemark mit einigen Kollegen in sehr ähnlichen Dienstwohnungen wohnte, fiel ihm beim Vergleich der Energieverbräuche auf, dass die Unterschiede nur auf ein anderes Nutzungsverhalten zurückzuführen sind. Es war ihm und seinen Kollegen möglich, ihr Verhalten direkt zu vergleichen und sich so auf eine neue Art und Weise mit ihrem Energieverbrauch zu beschäftigen. Als Folge trat bei allen Teilnehmenden eine Verbesserung des Energieverbrauchs auf.

Der Vergleich auf sozialer Ebene schien also sehr motivierend zu wirken. Nachdem Chris sich in die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema eingelesen hatte, wurde ihm klar, dass die Potentiale für den breiten Einsatz dieses Mechanismus  enorm sind: Verschiedenste Studien beziffern die Einsparungen durch Verhaltensänderungen auf 5 bis 20% ohne Komfortverluste.

Chris: Gemeinsam beschäftigten wir uns mit der Motivationstheorie und arbeiteten intensiv an der Frage, wie Menschen dazu gebracht werden können, ihr Verhalten zuhause langfristig energieeffizienter zu gestalten. So wurde die Idee geboren, eine gamifizierte App zu entwickeln, die Menschen ihre Energieeffizienz neuartig visualisiert und zahlreiche Möglichkeiten zum direkten Vergleich mit Freunden, Gruppen, Kommunen, Büros bietet.

Technewable: Wie ging es dann weiter? Was waren die nächsten Schritte?

Max: Zunächst haben wir beschlossen, dass wir neben unseren Jobs zwei Abende die Woche via Internet zusammenarbeiten. Schnell merkten wir, dass uns das Thema Freude bereitet und so wurde es immer häufiger. Letztlich wurde dann jede freie Minute mit dem Projekt verbracht. Entsprechend froh waren wir, als das EXIST Stipendium uns im September 2015 ermöglichte Vollzeit an dem Projekt zu arbeiten.

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Die App „enffi“ zeigt individuelle Energieverbräuche auf.

 

Technewable: Wer steckt hinter enffi?

Max: Unser Team besteht aus drei Personen: Chris, Gerrit und Max. Wir kennen uns seit Schulzeiten, haben dann in unterschiedlichen Ecken Europas studiert und sind für enffi nun wieder in Berlin zusammengekommen.

Technewable: Welche Kompetenzen und Erfahrungen bringt ihr mit?

Max: Chris deckt die Energieeffizienz- und Business-Themen in unserem Team ab. Er hat in an der University of Sussex (UK) Mechanical Engineering studiert und im Anschluss 6 Jahre in der Gebäudeeffizienz- und Windenergie-Branche als Projekt- und Produktmanager gearbeitet.

Gerrit ist verantwortlich für die Softwareentwicklung von enffi. Er hat in Darmstadt Informatik, im Anschluss Mathematik in Freiburg studiert und ist in den letzten Zügen seiner Dissertation.

Ich bin Soziologie- und Bildungs-Wissenschaftler und verantworte die Kommunikationsthemen, Produktkonzeption und Design. Zuvor habe ich drei Jahre als Bildungsberater für eine große IT-Unternehmensberatung gearbeitet.

Technewable: In welchem Entwicklungsstadium befindet sich euer Vorhaben?

Max: Momentan stecken wir mitten in der Betatestphase mit einer Minimaleversion der App für Android. Wir freuen uns über jeden, der sich auf unserer Homepage  als Betatester einträgt. Im nächsten Jahr werden wir dann gemeinsam mit dem Feedback der Nutzercommunity die spannendsten weiteren Features integrieren.

Technewable: Welche Schritte habt ihr dann geplant?

Max: Nachdem wir das Grundgerüst der Plattform aufgebaut haben, werden sukzessive Funktionalitäten basierend auf dem Feedback der Nutzenden hinzugefügt. Die Beta hat zunächst den Fokus auf das Berechnen und das Visualisieren der Energieeffizienz der Nutzer. Danach werden wir die Möglichkeit, diese Effizienz mit Freunden zu vergleichen, in die App integrieren. Auch die Smart-Meter Anbindung wird 2016 kommen.

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Visualisierung der „enffi“ Smartphone-App

Technewable: Welche Herausforderungen liegen noch vor euch?

Max: Vor allem die Vermarktung und den hohen Anspruch an Nutzerzahlen sind sicherlich die größten Herausforderungen in den nächsten Quartalen. Unser Konzept  macht mit vielen Nutzenden am meisten Spaß und vor allem am meisten Sinn: Denn je mehr Menschen die App nutzen, desto mehr CO2 wird auch eingespart.

Technewable: In welchen Bereichen könnt ihr aktuell noch Hilfestellung gebrauchen?

Chris: Da wir ein Softwareprodukt entwickeln, können wir natürlich nie genug Software-Developer haben, sind aber momentan hier personell schon relativ gut aufgestellt. Dies wird auch der erste Bereich sein, in dem wir uns vergrößern werden.

Technewable: Seid ihr auf der Suche nach Kooperationspartnern? Wer darf sich melden?

Max: Unter anderem im Bereich Marketing/User-Growth sind wir immer für kreative, neue Ideen zu haben und freuen uns über Input oder einfach einen Austausch mit Menschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Vor allem aber sind wir auf der Suche nach Kooperationspartnern aus dem Umfeld der NGOs, Verbraucherzentralen und besonders engagierten Städten, die sich dem Thema Energieeffizienz widmen.

Technewable: Was ist eure langfristige Vision?

Max: Wir wollen Energieberatung digitalisieren und damit gemeinsam einen signifikanten Beitrag zur Energiewende leisten. Enffi soll die primäre Anlaufstelle werden, um Verbrauchern bei Energiefragen weiter zu helfen.

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Interessierte können gern Kontakt mit den Gründern von enffi aufnehmen.

Ansprechpartner: 

Max Bohm
Finowstr. 14
10247 Berlin

Email: max[at]enffi.de

 

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Katja Reisswig

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