Green Business

Gelebte Nachhaltigkeit im Unternehmen

Nachhaltigkeit als strategische Unternehmensaufgabe

Was als Trend und „nice to have“ begann, wird für Unternehmen immer wichtiger. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung und wird zu einer zentralen unternehmerischen Aufgabe und Verpflichtung. Längst ist unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein Imagefaktor und netter Anstrich. Vielmehr handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der nur gelingt, wenn er alle Unternehmensbereiche umfasst – vom Einkauf, über Logistik, Mitarbeiterführung, Marketing, Controlling bis hin zum Energie- und Ressourcenmanagement.

Nachhaltigkeit ist eine Unternehmensaufgabe, die bereichsübergreifend in die Strategie, Firmenphilosophie und in das tägliche Geschäft zu verankern ist. Sie erfordert das Commitment aller am Unternehmen beteiligten Stakeholder, sowohl der unternehmensinternen als auch der externen.

Je mehr Kunden und Lieferanten der Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimessen und diese in ihren unternehmerischen Alltag integrieren, desto stärker wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und desto größer wird die Akzeptanz für nachhaltige Aspekte im Unternehmen. Unternehmerisches Handeln wird so immer mehr auf die Maximen der Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Nachhaltigkeitsberichte als strategisches Tool für das Nachhaltigkeitsmanagement

Worum geht es beim nachhaltigen unternehmerischen Handeln? Nachhaltiges unternehmerisches Handeln bedeutet, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in das Handeln innerhalb eines Unternehmens zu integrieren. Immer mehr Unternehmen gehen hier mit guten Beispiel voran.

Sie geben bereitwillig über Nachhaltigkeitsberichte Auskunft über ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Sie zeigen aber auch auf, an welchen Stellen weiterer Handlungsbedarf besteht. Nachhaltigkeitsberichte sind eine wertvolle Entscheidungshilfe für Unternehmen, richtige Entscheidungen im Sinne langfristiger Strategien zu treffen. Sie vergrößern die Akzeptanz für das Unternehmen.

Leitlinien für die unternehmerische Nachhaltigkeit

Eine Richtlinie für wichtige Teilaspekte nachhaltigen Handelns ist der Global Compact der Vereinten Nationen. Anhand von zehn universellen Prinzipien im Bereich Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung gibt er erste Anhaltspunkte für nachhaltiges Handeln.

Sehr viel detaillierter und anwendungsbezogener sind die G4 Sustainability Reporting Guidelines des GRI. Die GRI – Global Reporting Initiative bietet einen umfassenden Leitfaden mit festgelegten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Organisationen. Anhand dieser können sich Unternehmen orientieren und ihre eigene Nachhaltigkeitsstrategie sowie die daran anschließende Berichterstattung koppeln. Der Leitfaden unterstützt Unternehmen dabei, wichtige Bereiche und Problemfelder im Unternehmen zu identifizieren sowie Verbesserungen durch geeignete Maßnahmen vorzunehmen.

Die GRI ist eine unabhängige internationale Organisation „that helps businesses, governments and other organizations understand and communicate the impact of business on critical sustainability issues such as climate change, human rights, corruption and many others.“ Bereits seit Ende der 1990er befasst sich die Organisation mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung und hat wichtige Standards erarbeitet. Inzwischen richten mehr als 250 der weltweit größten Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategie und die daran anschließende Berichterstattung an ihren Richtlinien aus. Sie sorgen für Transparenz.

Ein Fallbeispiel aus der Unternehmenswelt

Auch die TAKKT Gruppe hat diese Leitlinien aufgegriffen und in ihre Unternehmensstrategie integriert. Ihr Ziel ist, Nachhaltigkeit in alle Geschäftseinheiten zu integrieren und sie zum festen Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie zu machen. Die Führungskräfte der TAKKT Gruppe gehen hier mit gutem Beispiel voran. Das Ziel des Spezialversandhändlers für Geschäftsausstattung ist, Branchenprimus in Sachen Nachhaltigkeit zu werden (siehe technewable-Beitrag zu KAISER+KRAFT). Dazu hat sich das Unternehmen wichtige Zwischenziele gesetzt.

Meilensteine für die gelebte Nachhaltigkeit im Unternehmen

Ein wichtiger Teilaspekt für das Unternehmen ist, nicht nur die eigene Firmenausrichtung nachhaltiger zu gestalten, sondern ebenso seine Geschäftspartner und Lieferanten einzubeziehen, beispielsweise über die Bewertung der Lieferanten in Sachen Nachhaltigkeit. Eine weitere Stellschraube sind faire Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter, die weltweit an das Unternehmen gebunden sind, herzustellen. Zu ihren weiteren Zielsetzungen gehört, den Umgang mit Ressourcen zu verbessern und den CO2 neutralen Versand auszubauen.

Mit ihrem Nachhaltigkeitsmanagement sollen sowohl wirtschaftliche Zielsetzungen kombiniert mit nachhaltigen Zielsetzungen erreicht werden. Maßnahmen zur Zielerreichung sind enge Kundenbeziehungen, verbesserte Produkt- und Servicequalität sowie der Ausbau des elektronischen Handels. Diese Ziele werden von Tochterfirmen in ihrer täglichen Arbeit realisiert.

Firmenbeispiel gaerner

Gaerner ist ein Unternehmen, welches sich auf die Betriebsausstattung von Firmenkunden fokussiert. Es vertreibt seine Produkte über ein Direkt-Marketing Geschäftsmodell. Gaerner gehört als Tochterunternehmen zur TAKKT Gruppe. Es folgt dem Mutterunternehmen bei seinem ehrgeizigen Vorhaben zum „Branchenvorbild für nachhaltiges Handeln und Wirtschaften“ zu werden.

Sein Anspruch ist, „für die gesamte gaerner-Wertschöpfung nachhaltige Verantwortung zu übernehmen“. Dazu wurde eine ausführliche Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, „die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte unternehmerischer Verantwortung als Entscheidungsfaktor in alle Geschäftsprozesse von gaerner integriert.“

Nachhaltigkeitsinitiative SCORE

Die daraus sich ableitenden einzelnen Aktivitäten werden unter dem Dach der Nachhaltigkeitsinitiative SCORE („Sustainable Corporate Responsibility“) organisatorisch verankert und koordiniert.

Hierzu zählen folgende Aktivitäten:

  • Verkürzung von Lieferketten auf ein einstufiges Versandhandelssystem zum Einsparen von CO2 Emissionen und zur Vermeidung von Leerfahrten. Der Versand erfolgt über wenige Zwischenstationen direkt an den Kunden. Das verkürzt zudem Lieferzeiten für Kunden und schont die Umwelt.
  • Als registrierter Partner des Forest Stewardship Council (FSC) unterstützt das Unternehmen FSC-Produkte aus FSC-zertifiziertem Holz oder Receyclingmaterial. Der FSC leistet einen wesentlichen für eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft. (siehe technewable-Beitrag: „FSC-Freitag – Zeit für eine „Waldwende“)
  • Die für die Herstellung von Produkten verwendeten Materialien sind hochwertig, langlebig und umweltgerecht. EUROKRAFT ACTIVE GREEN-Produkte werden CO2-neutral produziert.
  • Durch Produktion erzeugte Emissionen werden durch die Unterstützung eines Nachhaltigkeitsprojekts in der Türkei kompensiert. Mit dem Windpark Yuntdag an der Westküste der Türkei wird emissionsfrei Energie gewonnen. Es senkt den Ausstoß von Treibhausgasen um über 100.000 CO2 pro Jahr.
  • Durch den „pro clima“ Versandservice der Schweizer Post werden ebenfalls beträchtliche Mengen CO2 Emissionen eingespart. Alle Kataloge des Unternehmens werden mit „pro clima“ versendet. Die durch Versand und Transport entstehenden CO2-Emissionen werden durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen. Es werden Klimaschutzprojekte im In- und Ausland gefördert, die höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden müssen.
  • Werbung wird ausschließlich durch nachhaltige Materialien produziert. Damit werden Ressourcen geschont. Die gesamten gaerner-Printwerbemittel sind auf PEFC-zertifiziertem Papier gedruckt, welches aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wird. Nur ausgesuchte Partner sind an der Erstellung beteiligt. Die Printwerbemittel werden sehr gezielt nur an die richtigen Ansprechpartner gesendet.
  • Rechnungen werden elektronisch erzeugt.

Mit diesen Maßnahmen hat das Unternehmen seine Weichenstellung in Richtung Nachhaltigkeit vollzogen. In seinem Einkaufsratgeber erhalten Kunden zudem wertvolle Hinweise zur Geschäfts-, Labor- und Arbeitsstättenausstattung sowie weiterreichende Informationen zum Umgang mit Materialien hinsichtlich Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltaspekten.

Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit in Unternehmen aufzugreifen und organisatorisch fest zu verankern, ist längst nicht mehr nur eine Maßnahme, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Es ist gelebte unternehmerische Verantwortung für unser Zuhause, den Planeten Erde, sowie für alle nachwachsenden Generationen. Immer mehr Unternehmen sind bereit, diese Verantwortung zu übernehmen und integrieren Nachhaltigkeit fest in ihre Unternehmensstrategie, Firmenphilosophie und ihr tagtägliches Handeln.

Foto: gunnar3000 / 123RF Lizenzfreie Bilder

Artikelbewertung: 
[Gesamtbewertungen: 0 - Durchschnitt: 0]

Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für Akteure der grünen Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.