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Gelebte Nachhaltigkeit im Unternehmen (Teil 3)

Wie können Unternehmen ihre Nachhaltigkeit verbessern?

Mit welchen Maßnahmen lässt sich die Nachhaltigkeit in Unternehmen verbessern? Dieser Frage geht der nachfolgende Beitrg auf den Grund. Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema. Sie möchten ihre Nachhaltigkeit verbessern. Doch gerade für länger am Markt bestehende Unternehmen ist das nicht immer leicht. Für sie gibt es Mittel und Wege, wie sie ihre Nachhaltigkeit verbessern können. Welche das sind, möchten wir näher beleuchten.

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen

Eine vollständige Integration von Nachhaltigkeit in das Unternehmen erfordert eine ganzheitliche Prüfung aller unternehmerischen Aktivitäten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Das dies eine große Herausforderung darstellt, ist nachvollziehbar. Nachhaltigkeit lässt sich nicht von heute auf morgen herstellen. Unternehmen, die sich dieser Aufgabe neu stellen, wird ohne Zweifel einiges abverlangt. Schließlich bedeutet es eine vollständige Umstellung aller Unternehmensaktivitäten auf Nachhaltigkeit. Das funktioniert am besten, wenn die Schritte vorausschauend geplant und etappenweise erfolgen.

Projekt Nachhaltigkeit

Ein erster Schritt ist immer die Bestimmung der Ziele, was erreicht werden soll sowie die Analyse der Ausgangssituation. Wie bei allen Strategiefindungsprozessen bedarf es für die Einschätzung der Ist-Situation umfangreicher Informationen. Diese müssen zunächst erhoben und ausgewertet werden. Daraus lässt sich der aktuelle Ist-Stand ableiten. Auf diesem aufbauend können dann Maßnahmen überlegt werden, die zum Erreichen der gesetzten Nachhaltigkeitsziele, d.h. dem Soll-Stand, dienen.

Neben einem Maßnahmen- und einem Ablaufplan im Rahmen des Projektplans, müssen auch der Zeit- und Ressourcenaufwand abgeschätzt werden. In dem Plan werden ebenfalls Meilensteine definiert. Sie ermöglichen das Überprüfen von Zielsetzungen und zeigen an, an welchen Stellen Ziele erreicht bzw. nicht erreicht wurden. Mit dem Erstellen eines Projektplans werden Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten festgelegt.

Einzelne Mitarbeiter sind für bestimmte Aufgaben und Arbeitspakete zuständig. Während die gesamte Koordination und Abstimmung der einzelnen Arbeitspakete der Projektleiter übernimmt. Er koordiniert somit die einzelnen Aufgabenbereiche und kommuniziert deren Entwicklungsstand mit der Geschäftsleitung und den Projektmitarbeitern. Der Projektleiter übernimmt ebenfalls die Projektberichterstattung. In seinen Aufgabenbereich fallen Zwischen -und Endberichte.

Nachhaltikgeitsexperten in Unternehmen

Eine lohnende Investition für Unternehmen mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen ist die Einstellung eines Nachhaltigkeitsbeauftragen. Sie sind Experten in Sachen Nachhaltigkeit und helfen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeit verbessern. Sie können mit ihrem spezialisierten Blick und ihrem Wissen über Nachhaltigkeit das Unternehmen beim Wandel begleiten. Sie tragen ebenso Sorge, dass Nachhaltigkeit nach innen und außen kommuniziert wird und alle anfallenden Unternehmensentscheidungen im Sinne der Nachhaltigkeit erfolgen. Nachhaltigkeitsbeauftragte übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben im Unternehmen.

Nachhaltigkeitsberichte ab 2017 für zahlreiche Unternehmen Pflicht?

Transparenz und Offenlegung von unternehmensrelevanten Informationen sind für alle Anspruchsgruppen einer Organisation wichtig. Unternehmen, die gesellschaftlich verantwortungsbewusst handeln wollen, können mit einem Nachhaltigkeitsbericht ein Zeichen setzen.

Im September vergangenes Jahr wurde ein Gesetzentwurf vom BMJV erarbeitet, mit dem die EU-Richtlinie 2014 zur Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen in deutsches Recht überführt werden soll. Von der Neuregelung werden in Deutschland etwa 6.000 Unternehmen und Gesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern betroffen sein. Dazu gehören indirekt auch mittelständische Unternehmen (KMU).

Das Gesetz soll größere Unternehmen dazu verpflichten, Auskünfte zu ihren Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen zu geben sowie zur Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption beizutragen. In erster Linie wird die Regelung für Kapitalgesellschaften, Unternehmen der Banken- und Versicherungswirtschaft mit einer Bilanzsumme von 20 Mio. Euro oder Umsatzerlösen in Höhe von 40 Mio. Euro gelten. Es sollen im Gegensatz zur EU Richtlinie in Deutschland aber auch haftungsbeschränkte Personengesellschaften und Genossenschaften einbezogen werden.

Für die Umsetzung gibt es bereits etablierte Standards. Zu diesen zählt beispielsweise der Nachhaltigkeitskodex (DNK)  oder die Standards der Global Reporting Initiative (GRI). Weitere Rahmenwerke sind der UN Global Compact, die OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen oder die ISO-Norm 26000.

Internationale Studie zur Nachhaltigkeit in Unternehmen

Doch auch kleine Unternehmen, die von einer verpflichtenden Berichterstattung bislang ausgenommen sind, können sich schon heute mehr in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. Die zahlreichen Vorteile, die sich aus einer nachhaltigen Ausrichtung der Geschäftsmodelle ergeben, beleuchtet die Studie der internationalen Zertifizierungsgesellschaft DNV GL zum Thema Nachhaltigkeit. Darin wurden weltweit 1.524 Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt.

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil der Geschäftstätigkeit von Unternehmen ist. Sie reagieren damit auf die steigenden Anforderungen der Geschäftswelt und Kunden. Zugleich sind einer Mehrheit der befragen Unternehmen, die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens bewusst.

Die Studie zeigt, dass sich Nachhaltigkeit auch für mittelständische Unternehmen lohnt. Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und andere Stakeholder honorieren nachhaltige Unternehmenstätigkeiten. KMUs profitieren schon heute von der Umstellung in Richtung Nachhaltigkeit. Ein früher Start lohnt sich, da die Umstellung von Geschäftsmodellen und Unternehmensstrategien ein länger andauernder Prozess ist. Zudem ist davon auszugehen, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig die gesünderen Unternehmen sind.

Und Nachhaltigkeit zahlt sich aus, denn nachhaltige Unternehmen gehen bewusster und sparsamer mit Ressourcen und Energieverbräuchen um. Das wiederum spiegelt sich in den Bilanzen wider. Doch es geht bei der Umsetzung bei weitem nicht nur darum, Kosten zu sparen. Es geht um bessere Produkte, bessere Wertschöpfungsketten, bessere Kundenbeziehungen, bessere Arbeitsbedingungen u.v.m..

Es geht darum ein wirtschaftliches Unternehmen zu sein, welches hohen Ansprüchen von Kunden, Stakeholdern und Gesellschaft gerecht wird. Es geht um Wettbewerb, einen sparsamen Umgang mit knappen Ressourcen und Energie sowie um Umwelt-, Klima- und Generationenschutz. Es geht um Unternehmen mit sauberen und gesunden Abläufen, Prozessen, Produkten und letztendlich um zufriedene Kunden und Mitarbeiter. All das lässt sich mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise im Unternehmen verbinden.

Doch wie gelangen Unternehmen dahin?

Zunächst einmal bedarf es eines unmittelbaren Bewusstseinswandels im Unternehmen. Hier sind Führungskräfte gefragt, die mit gutem Beispiel vorangehen. Es bedarf aber ebenso des Commitments der Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer. Für sie wiederum ist es notwendig zu verstehen, warum bestimmte Veränderungen im Unternehmen erfolgen. Nur wenn Informationen weitergegeben werden und Transparenz vorherrscht, können sich Stakeholder aktiv für die Veränderungen einsetzen. Die Teilhabe der Betroffenen ist somit ein wichtiger Aspekt. Das wiederum setzt Kommunikation voraus. Kommunikation ist der Schlüssel für alle weiteren Maßnahmen.

Erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit

Liegt keine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie vor, bieten sich für Unternehmen erste einfache Maßnahmen an. Sie sind von Führungskräften und Mitarbeitern leicht zu schultern. Im Fokus können hierbei Maßnahmen stehen, die darauf abzielen Energie- und Ressourcenverbräuche zu reduzieren. Hier bietet sich eine verlängerte Nutzung von Geräten, Maschinen und Mobiliar an oder die Nutzung von Reparatur-Services, Recycling- oder Upcycling Maßnahmen. Leasing, Sharing und Contracting sind weitere Maßnahmen, mit denen sich Nachhaltigkeit verbessern lässt. Sie bieten oft effiziente und ressourcenschonende Lösungen.

Energieverbräuche lassen sich durch gezielte Einsparungen reduzieren, aber auch durch den Einsatz von Effizienztechnologien. Hier sind jedoch Kosten und Nutzen im Vorfeld gegeneinander abzuwägen. Eine weitere Option hin zu mehr Nachhaltigkeit bietet ein Vorschlagwesen für Unternehmen. Mit diesem lassen sich Kunden und Mitarbeiter beim Finden passender Maßnahmen aktiv einbinden.

Eine weitere Möglichkeit nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch das Betriebsklima zu verbessern sowie Wohlbefinden, Gesundheit und Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber zu steigern, sind flexible Arbeitszeiten oder gemeinsame sportliche Aktivitäten im Unternehmen. Ebenso eignen sich bestimmte Anreize für Mitarbeiter, damit diese angespornt sind, sich nachhaltiger zu verhalten. Hier könnten Mitarbeiter für ihr nachhaltiges Engagement geehrt oder nachhaltige Verhaltensweisen besonders honoriert werden, zum Beispiel durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Zertifikate für Umweltschutz

Für Unternehmen bietet sich die Zertifizierung von Unternehmen oder Produkten hinsichtlich Nachhaltigkeit an. Hier steht eine Vielzahl verschiedener Zertifikate zur Wahl. Entscheidend bei der Wahl ist die Glaubwürdigkeit des Zertifikats. Jedes Zertifizierungsverfahren stellt unterschiedliche Anforderungen an Unternehmen. Ebenso unterscheiden sich der damit verbundene Aufwand und die Kosten für eine Zertifizierung.

Teilnahme an Nachhaltigkeitswettbewerben

Die Teilnahme an Wettbewerben ist eine weitere Möglichkeit, einen Ansporn zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen zu entfalten. Inzwischen gibt es zahlreiche Wettbewerbe, die nachhaltiges Wirtschaften honorieren.

Kooperationen mit umwelt- und klimafreundlichen Organisationen

Ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit wäre die Kooperation mit umweltfreundlichen Organisationen oder Unternehmen, deren Geschäftszweck die Umsetzung von nachhaltigen Geschäftsmodellen beinhaltet. Unternehmen können beispielsweise bei der Wahl ihres Energieanbieters darauf achten, ob diese aus sauberen regenerativen Energiequellen stammt. Alternativ können sie auch ihren eigenen Strom- und Wärmebedarf mittels der Installation einer erneuerbaren Energieanlage decken und übrigbleibenden Strom anderen zur Verfügung stellen.

Bei der Herstellung von Gütern spielen der Einsatz von Ressourcen, Lieferketten und Transport eine zentrale Rolle. All diese Prozesse können hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit überprüft und verbessert werden. Lassen sich bestimmte umweltschädigende Auswirkungen nicht vermeiden, kann über eine Kompensierung nachgedacht werden.

Fallbeispiele für gelebte Nachhaltigkeit

Zur Reduzierung des Energie- und Ressourcenbedarfs bei der Erstellung von Druckereierzeugnissen gibt es die Klimainitiative Print CO2 kompensiert. Mit dieser haben Unternehmen die Option sich für klimafreundliches Drucken zu entscheiden. Die Initiative wurde von Druck- & Medienverbänden auf den Weg gebracht. Über sie können klimaneutrale Printprodukte und Verpackungen erstellt werden.

Druckereien können sich im Rahmen dieser Klimabilanzen erstellen lassen. Sie erhalten neben Software und einem CO2-Rechner für Offset-, Digital- und Tiefdruck-Produkte weitere Beratungs- und Serviceleistungen. Inzwischen hat sich eine große Anzahl an Druckereien aus ganz Deutschland der Initiative angeschlossen. Mit dabei ist die Berliner Druckerei Flyeralarm. Im Rahmen der Initiative wird Unternehmen angeboten, sich für einen klimaneutralen Druck zu entscheiden. Auf die Art und Weise werden Klimaschutzprojekte unterstützt. Unternehmen können so ihre eigene Energiebilanz verbessern. Das Logo „CO2-neutral“ auf Druckereierzeugnissen kommuniziert dieses Engagement nach außen. Unterstützt werden im Rahmen der Initiative die Klimaschutzprojekte von ARKTIK. Für die Unternehmen selbst ist das zwar nur ein kleiner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, aber zumindest ein Anfang.

Grüne Stromversorger stellen Unternehmen erneuerbaren Strom zur Verfügung. Der Aufwand zu wechseln, ist nicht sehr hoch. Unternehmen können dieses Engagement nach außen zeigen. Die Naturstrom AG versendet beispielsweise Zertifikate, wie hoch der Beitrag des Unternehmens zur Einsparung von CO2-Emissionen ist.

Der Blaue Engel steht für besonders umweltfreundliche Produkte und ist das älteste Umweltzeichen Deutschlands. Es genießt hohes Ansehen als Qualitäts- und Gütezeichen im Bereich Umweltschutz. Die Vergabe des Engels erfolgt unter strengsten Vergabekriterien durch eine unabhängige Expertenkommission. Inzwischen gibt es 12.000 Produkte, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind.

 

Fazit

Der Beitrag hat gezeigt, dass es verschiedene Mittel und Wege gibt, wie sich Unternehmen nachhaltiger ausrichten können. Manche Unternehmen fangen klein an. Sie nutzen Partnerschaften und Initiativen oder setzen kleinere Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit um. Doch auch kleine Schritte sind ein Beginn hin zu mehr gelebter Nachhaltigkeit. Aus diesen wiederum können größere Schritte erwachsen. Das bedeutet für viele Unternehmen, dass sie umfassende Wandlungsprozesse durchlaufen. Diese gehen nicht selten mit einer 180 Grad Wendung einher. Für manch ein Unternehmen kann daher auch ein Neustart mit einem komplett nachhaltigen Geschäftsmodell eine Alternative sein.

 

Bild: tuk69tuk / 123RF Lizenzfreie Bilder

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Quellen: Lexikon der Nachhaltigkeit DNK , DNVGL

Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für die grüne Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure zu vernetzen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.