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FNG-Dialog 2017: Nachhaltige Geldanlagen und Menschenrechte

Positive Markt-Dynamik für Nachhaltige Geldanlagen

Um das Thema nachhaltige Investments drehte sich der vom Forum Nachhaltige Geldanlagen organisierte FNG Dialog am 1. Juni 2017 in Berlin. Schwerpunktthema des FNG Dialogs war die Frage nach Menschenrechten in Verbindung mit  Nachhaltigen Geldanlagen. Sie wurde intensiv mit den Teilnehmern des FNG Dialogs diskutiert.

Das FNG wurde als Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz im Jahr 2001 gegründet. Es besteht gegenwärtig aus 175 Mitgliedern. Hauptanliegen des FNG ist es, eine verlässliche Informationsbasis für Nachhaltige Geldanlagen zu schaffen. Das FNG erstellt jährlich den „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen – Deutschland, Österreich und die Schweiz“, der Anlass für den FNG Dialog gab.

Die Bedeutung von nachhaltigen Geldanlagen wächst. Mit acht unterschiedlichen Hauptstrategien trägt das FNG dem Rechnung. Neben Themenfeldern wie Energiewende, Energieeffizienz und Klimawandel rücken immer mehr auch gesellschaftliche, ethische und soziale Zielsetzungen in den Mittelpunkt. Das spiegelt ebenso der diesjährige Marktbericht „Nachhaltige Geldanlagen 2017“ mit dem Schwerpunktthema Menschenrechte wider.

Finanzwirtschaft spielt Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung

Nach Volker Weber, dem Vorstandsvorsitzenden des FNG, kommt der Finanzwirtschaft eine Schlüsselrolle für nachhaltige Entwicklung zu. Sie stelle nicht nur Finanzierungsmittel zur Umsetzung von Vorhaben zur Verfügung. An sie adressiere zunehmend auch die Politik ihre Botschaften. So sei das Erreichen der 2016 in Kraft getretenen 17 UN-Nachhaltigkeitsziele – Sustainable Development Goals (SDGs) in nicht unerheblicher Weise von einer nachhaltigen Finanzwirtschaft mit ihrer „Hebel- und Finanzierungsfunktion“ abhängig.

Positiv zu verzeichnen ist die anhaltend wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen. Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wachse stetig. Laut FNG-Marktbericht 2017 wuchs das Marktvolumen für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber dem Vorjahr allein um 29 Prozent. In Zahlen ausgedrückt sind es derzeit 419,5 Mrd. Euro. Auch tragen konventionelle Angebote der gestiegenen Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien Rechnung. Das FNG rechnet auch in den kommenden Jahren mit einer wachsenden Markt-Dynamik.

Grafik Marktlage für den Dachraum bei Nachhaltigen Geldanlagen

Grafik Marktlage für den Dachraum bei Nachhaltigen Geldanlagen Quelle: Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2017, FNG

Raus aus der Nische

Beim FNG Dialog waren auch kritische Töne zu vernehmen. So sei zwar die Entwicklung für nachhaltige Geldanlagen insgesamt positiv zu beurteilen, mit Blick auf den Gesamtmarkt aber noch deutlich zu gering. Das Thema nachhaltige Geldanlagen müsse noch breitenwirksamer besetzt werden. Das Credo heißt: Raus aus der Nische. Damit das gelingt, brauche es eine umfassende Transformation. Hier sei der Anfang gemacht.

Laut Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, die ein Keynote-Vortrag hielt, gibt es nach wie vor zu viel „business as usual“. In der Finanzwirtschaft werde immer noch zu stark auf veraltete Geschäftsmodelle gesetzt. Hier sei insbesondere bei den Akteuren mehr Engagement gefragt.

Derzeit spiele das Thema nachhaltige Geldanlagen bei Banken und institutionellen Anlegern nicht gerade eine Hauptrolle. Es werde noch zu wenig von Entscheidern thematisiert. Der Stellenwert des Themas hänge zu sehr von einzelnen Personen ab. Gebraucht werden mehr Akteure, Investoren und Entscheider, die dem Thema verstärkte Beachtung schenken. Zudem fehle es an einer verlässlichen Informationsbasis und Wissen um nachhaltige Geldanlagen in den Institutionen.

Um ein Umdenken zu bewirken, sind alle beteiligten Akteure der Finanzwirtschaft gefordert, hier eigene Ansätze zu entwickeln. Der Stellenwert nachhaltiger Anlagen könne zudem durch einen internationalen Wettbewerb im Bereich Green Finance befördert werden. Hier könnten Banken und institutionelle Anleger selbst zum Treiber werden. Dazu bräuchte es wiederum neue Produkte und Geschäftsmodelle, die die gesamte Wertschöpfungskette abbilden.

Der Staat und seine Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit

Auch nach der Rolle des Staates wurde beim FNG-Dialog gefragt. Der Staat müsse mit gutem Beispiel vorangehen. Zwar ist die Politik an einer globalen Nachhaltigkeitsdebatte beteiligt und in einzelnen Belangen federführend. Doch bei der Umsetzung hapert es bislang. Auch der Staat sei gefordert, mehr für Nachhaltigkeit zu tun. So umfasse der jährlich verabschiedete Bundeshaushalt einen dreistelligen Milliardenbetrag. Es müsse geschaut und auf den Prüfstand, in welche Bereiche das Geld investiert wird und wie nachhaltig diese sind.

Zugleich übt der Staat eine gesetzgeberische Funktion aus und trägt damit Verantwortung für Gesellschaft und Wirtschaft. Er gibt damit den Rahmen vor. Auch hier müsse vielmehr auf die Einhaltung von Nachhaltigkeit geschaut werden, inwieweit in die Gesetzgebung Nachhaltigkeitszielsetzungen einfließen. Das Thema Nachhaltigkeit müsse somit auch in der Gesetzgebung viel mehr Berücksichtigung finden.

Menschenrechte und Geldanlagen

Das Thema Nachhaltigkeit in Verbindung mit Geldanlagen steht inzwischen in vielen Organisationen zumindest auf der Agenda. Hingegen hat die Frage nach Menschenrechten in Verbindung mit Geldanlagen bislang nur wenig Beachtung gefunden. Der aktuelle FNG Marktbericht und der begleitende FNG Dialog beschäftigt sich ausführlich mit dieser Frage. Die Podiumsdiskussion des FNG Dialogs verdeutlichte, dass es bislang mehr Fragen in Verbindung mit dem Thema gibt, als Antworten.

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass es mehr Transparenz hinsichtlich der „Achtung und Einhaltung von Menschenrechten“ braucht. Wie auch bei nachhaltigen Geldanlagen ist eine fundierte und aussagekräftige Informationsgrundlage entscheidend für eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Thema. Zugleich erfordere es, dass sich Unternehmen viel stärker sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Wichtig sei es, einen Dialog innerhalb von Unternehmen in Gang zu setzen. Zudem bräuchten Unternehmen Leitlinien, die ihnen Orientierung im Umgang mit Menschenrechten geben.

Das sich Nachhaltigkeit und Menschenrechte in Verbindung mit ökonomischen Zielen darstellen lassen, zeigen zahlreiche positive Beispiele. Für den Bereich Nachhaltigkeit ist längst erbracht, dass eine gute Unternehmensperformance mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen im Einklang steht. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen Hand in Hand. Das gleiche lässt sich auch auf andere Ziele und Werte übertragen. Menschenrechte sind elementarer Bestandteil eines modernen aufgeklärten Wirtschaftssystems. Sie sind demzufolge auch aus einer global agierenden Finanzwirtschaft nicht wegzudenken. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des FNG Dialogs einig.

Fazit: Positiver Trend mit Blick auf Nachhaltige Geldanlagen – mehr Engagement mit Blick auf Menschenrechte und Geldanlagen

In Hinblick auf Nachhaltige Geldanlagen ist somit ein positiver Trend zu verzeichnen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Um diese Entwicklung zu befeuern, braucht es weiteres Engagement vonseiten der Stakeholder. Dazu gehören mehr Investoren in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft sowie eine Stärkung der Wissens- und Informationsbasis. Mit Blick auf die Frage Menschenrechte braucht diese mehr Beachtung und eine intensivere Auseinandersetzung gerade in Hinblick auf eine globale Finanzwirtschaft. Sie müsse vielmehr in den Mittelpunkt, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, in der Finanzwirtschaft rücken. Dazu bedarf es zunächst eines Problembewusstseins. Es braucht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zudem Bildung sowie Chancen für ein selbst bestimmtes Leben. Für diese wiederum sind Investitionen nötig. Damit schließt sich der Kreis zu nachhaltigen Geldanlagen, mit denen solche Projekte finanziert werden können.

 

 

 

 

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Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für die grüne Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure zu vernetzen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.

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