Green Start-Ups

Finanzierung grüner Start-ups mit Crowdinvesting?

Eine Studie über Crowdinvesting in Deutschland vermittelt Zahlen und neuste Erkenntnisse in das  Finanzierungsinstrument

Eine von der EFNW-GmbH, einem An-Institut der Universität Oldenburg aktuell veröffentlichte Studie „Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting – eine Analyse der Entwicklung in Deutschland zwischen 2011 bis 2014“ belegt, Crowdinvesting hat sich als ernst zu nehmende Finanzierungsmethode für Start-ups etabliert.

EFNW-Studie zum Thema Crowdinvesting

EFNW-Studie zum Thema Crowdinvesting in Deutschland

Crowdinvesting wird als Form der Eigenkapitalgewinnung für innovative Unternehmen genutzt. Private Kleininvestoren stellen jungen Unternehmen über webbasierte Plattformen Beteiligungskapital zur Verfügung. Mit dem Geld unterstützen sie ihre Gründungsvorhaben. Anders als beim Crowdfunding partizipiert der Kapitalgeber jedoch am Erfolg des finanzierten Unternehmens durch eine Erfolgsbeteiligung.

Beim Crowdfunding werden zwar ebenso Projekte und Vorhaben durch die breite Masse unterstützt, betonen jedoch stärker den Unterstützungscharakter von Projekten und sind nicht immer rendite-orientiert. Beim Crowdinvesting hingegen sind die Erwartungen und Ansprüche an die Vorhaben und Teams um ein vielfaches höher, gleichzeitig aber auch das Risiko der Crowdinvestoren. Die Studie der EFNW befasst sich daher erstmalig auch mit dem Verhalten von Crowdinvestoren. Sie liefert zudem aktuelle Zahlen zu Finanzierungsvolumina und zu Marktanteilen.

Zunehmende Professionalisierung des Crowdinvestings

Die erste erfolgreiche Crowd-Finanzierungsrunde eines deutschen Start-ups war Ende 2011. Seitdem wächst der Crowdinvesting-Markt in Deutschland stetig, wie die weiter unten stehende Abbildung zeigt. Im Durchschnitt sind die vermittelten Finanzierungsvolumen ca. 8 Prozent im Monat gestiegen. „Wir haben unter anderem festgestellt, dass die Klasse der Mehrfachinvestoren mit vergleichsweise hohen durchschnittlichen Investments von mehr als 1.000 Euro derzeit am stärksten wächst“, so Dr. Heike Hölzner, Geschäftsführerin der EFNW GmbH. Gleichzeitig seien die Renditeerwartungen von Crowdinvestoren vergleichbar mit denen von Business Angels – also von Investoren, die sehr früh in Existenzgründungen investieren und mit Know-how unterstützend zur Seite stehen.
Die meisten der Crowdinvestoren schätzten ihre erzielbare Rendite auf maximal 20 Prozent pro Jahr ein. „Wir haben es also längst nicht mehr nur mit dem bloßen ‚Spaßinvestor’ zu tun. Über die Jahre hinweg zeichnet sich ein eindeutiger Professionalisierungstrend ab“, betont Hölzner.

Die Studie wurde durch den deutschen Sparkassen- und Giroverband gefördert. Sie basiert auf einem Multimethodenansatz, mit dem das Crowdinvesting umfassend analysiert werden konnte. Von den WissenschaftlerInnen wurde ein Datensatz ausgewertet, der mehr als 25.000 Einzelinvestments enthielt, die auf den Plattformen Seedmatch und Companisto getätigt wurden. Sie konnten zeigen, dass zwischen 2012 und 2014 circa 60 Prozent aller Crowdinvestments von Mehrfachinvestoren durchgeführt wurden. Insgesamt investierte der Großteil der Investoren früh viel und eher kleine Beträge. Höhere Beträge wurden dann investiert, wenn erkennbar war, dass ein Investment tatsächlich zustande kommt.

5 Typen von Crowdinvestoren

Insgesamt konnten die Wissenschaftler fünf verschiedene Typen von Crowdinvestoren charakterisieren:

  1. Den „Spaßinvestor“ – Ihn treibt die Freude an Innovationen an. Er investiert durchschnittlich 25 Euro und finanziert meistens eine Vielzahl an Startups.
  2. Der „Produkt-Jünger“ – Er investiert in wenige ausgewählte Startups, von deren Produkten oder Dienstleistungen er überzeugt ist.
  3. Die „Friends & Family“-Investoren – Sie identifizieren sich mit dem Gründungsteam, dem sie durch eine vergleichsweise hohe Anschubfinanzierung unter die Arme greifen. Sie erwarten keine hohe, aber doch positive Rendite.
  4. Der „Rendite-Investor“ – Er investiert Beträge ab 250 Euro. Sein primäres Ziel ist es, Rendite zu erzielen, die oberhalb der Zinserträge klassischer Anlageprodukte liegen.
  5. Der „Crowd Angel“ – Er setzt sich im Vergleich zum „Rendite-Investor“ stärker und vor allem unterstützend mit den Startups auseinander. Seine durchschnittliche Investitionshöhe liegt bei 5.000 Euro.
Crowdinvesting Plattformen in Deutschland

Crowdinvesting Plattformen in Deutschland Bild: EFNW

Vorzüge versus Vorbehalte gegenüber Crowdinvesting

Crowdinvesting bietet zahlreiche Chancen für Start-ups und Anleger. Dennoch gibt es auch Vorbehalte gegenüber dem Finanzierungsinstrument. Kritiker bemängeln, dass zu wenig auf die Risiken gerade nicht-professionelle Investoren hingewiesen werde. Aus ihrer Sicht wären mehr Regulierung in diesem Finanzierungssegment nötig. Dagegen warnen die Befürworter davor, dass eine zu hohe Regulierung ein weiteres Marktwachstum einschränken könnte. Dieses sei jedoch dringend nötig, um den in Deutschland bestehenden Equity-Gap zu schließen. Crowdinvesting sei hierfür ein geeignetes Instrument und langfristig einen signifikanten Beitrag zur Schließung des Gaps leisten, denn noch ist der Anteil, der durch die Crowd vermittelten Finanzierung, gemessen am Gesamtvolumen der Seed- und Startup mit 5,3 Prozent eher als gering zu bewerten.

Die Studie der EFNW beabsichtigt daher einen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens Crowdinvesting zu leisten und Impulse für die Debatte um die notwendigen Formen der Regulierung, aber auch für die Weiterentwicklungen dieser innovativen und potenzialreichen Finanzierungsform, zu liefern. In den kommenden Monaten werden die Forschungsergebnisse in Vorträgen, Workshops und Seminaren mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutiert.

Geschäftsführerin der Crowdinvesting-Plattform Innovestment Christin Friedrich betont: „Die Oldenburg-Studie bietet mit zahlreichen neuen Erkenntnissen einen systematischen Überblick über den sich dynamisch entwickelnden Crowdinvesting-Markt“. Torsten Müller, Mitgründer des Startups Tame, fasst den Bedarf der Gründerszene an Crowdinvesting-Forschung zusammen: „Für uns war die Finanzierung über Crowdinvesting ein wichtiger Baustein, jedoch ist nicht jedes Startup dafür gleichermaßen geeignet und erfolgreich. Hier können wissenschaftliche Untersuchungen helfen, bereits im Vorfeld Marktcharakteristika und Investitionsdynamiken zu verstehen.“
Ausblick zur Weiterentwicklung von Crowdinvesting in Deutschland

Laut Einschätzung der Studie wird die Finanzierungsmethode Crowdinvesting in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Derzeit ist der Anteil am gesamten Risikokapitalmarkt mit ca. 3 Prozent noch sehr gering. Die Zeichen für weiteres Wachstum stehen derzeit gut. Es wird jedoch eine Ausdifferenzierung geben. Diese ist laut Studie „typisch für wachsende Märkte“. So wird es einerseits unterschiedliche Investorengruppen und Finanzierungsmodelle geben, andererseits ist mit einer Ausdifferenzierung in Bezug auf Branchen und Technologien zu rechnen. Erste Differenzierungstendenzen zeichnen sich ab. So gibt es beispielsweise Econeers, die Schwesterplattform von Seedmatch, die sich auf die Finanzierung von Green Energy Vorhaben fokussiert. Oneplanetcrowd ist eine niederländische Plattform. Sie ist auf Projekte im Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert. Demnächst ist die Markteinführung für Deutschland geplant.
Crowdinvesting und Crowdfunding – Potenziale für die Energiewende

Die Finanzierungsform Crowdinvesting eignet sich besonders auch für die Finanzierung von grünen Start-ups beispielsweise aus dem grünen Energiesektor. So wurden bereits zahlreiche Projekte auf diese Weise finanziell gefördert und immer mehr Gründer versuchen auf diese Weise ihre Vorhaben zu finanzieren.

In einer Beitragsreihe stellt Energieblogger Andreas Kühl von energynet.de Vorhaben vor, die gerade dabei sind für ihre Vorhaben eine Finanzierung auf die Beine zu stellen oder die Kapital bereits erfolgreich ein geworben haben.

Lesenswert:

Plattformen, die bereits in Energieprojekte investieren, sind:

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EFNW - Institut

Das An-Institut EFNW ist eine der drei tragenden Säulen der Gründerinnen- und Gründeruniversität, für das die Universität Oldenburg 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des EXIST IV-Programms ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit der Stiftungsprofessur Entrepreneurship und dem Gründungs- und Innovationszentrum unterstützt das EFNW Studierende und Mitarbeiter der Universität bei der Umsetzung ihrer Gründungsideen. Das EFNW ist vor allem in den Feldern Geschäftsmodellentwicklung und Finanzierung aktiv und bietet neben Startups auch etablierten Unternehmen ein vielfältiges Coaching- und Beratungsangebot.

Katja Reisswig

Katja Reisswig