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Die TWIKE Story – Geburt und Werdegang eines innovativen Elektromobils

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah, könnte es bei der Geschichte über das TWIKE heißen. Der ferne Blick über den Atlantik ist nicht nötig, um großartige Ideen und Technologien zu entdecken. Einen Beweis dafür liefert TWIKE – ein innovatives Elektromobil, dessen erste Version bereits vor 30ig Jahren entstand.

Geburtsstunde des TWIKE

Das Jahr 1986 war der Beginn einer langen und aufregenden Geschichte. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus neun Studenten der ETH Zürich unter der Leitung von Ralph Schnyder machten sich ans Werk. Sie bauten den ersten Prototypen – den Urahn des TWIKE. Hierbei handelte es sich um ein zweisitziges Fahrgestell mit Pedalantrieb. Zusammen mit der Karosserie wog es 50 kg und erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h.

Zum damaligen Entwicklerteam gehörten Robert Bannwart (Formen und Modelle), Michael Kutter (Konstruktion), Peter Kessinger (Design und Aerodynamik), Christian Meyer (Informatik), Michael Oberholzer (Design und Ergonomie), Maya Schnyder (Textile Gestaltung) sowie Peter Schreiner (Elektronik) und Peter Zeller (Messtechnik).

Nach seiner Fertigstellung fuhr das Entwicklerteam mit dem Ur-TWIKE zur Weltausstellung, die 1986 in Vancouver stattfand. Das Model begeisterte und erhielt einen Preis für seine Ergonomie. Hochmotiviert kehrte das Team in die Schweiz zurück. Doch was geschah dann?

Zunächst einmal nicht viel. Der Ur-Protoyp des TWIKE drohte in Vergessenheit zu geraten. Wie sich zeigte, war der Ur-TWIKE kein alltagstaugliches Modell. So begann man an einem neuen Modell zu feilen. Das TWIKE 2 wurde aus der Taufe gehoben. Es erhielt einen Hilfsantrieb. Doch erst das TWIKE 3 erreichte 1995 Marktreife. Es wurde noch im selben Jahr 190 Mal verkauft.

Das TWIKE 3 begeisterte seine Fahrer und fand immer mehr Anhänger. Das war der erste Schritt zur Entstehung der TWIKE Fan-Gemeinde. Damit sich diese auch im realen Leben treffen konnte, wurde 1997 der TWIKE Klub Schweiz gegründet. Mit einer wachsenden TWIKE-Community ging die Entwicklung des TWIKE weiter.

Das TWIKE verlässt die Schweizer Kinderstube

Nachdem das TWIKE seine ersten Schritte in der Schweiz gemacht hatte, zog es in die Welt. Seinen Platz dazu fand es in Rosenthal, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Marburg. Hier wurde 1998 die FINE Mobile GmbH als deutscher Generalimporteur gegründet. Sie gab den Startschuss für die Verlagerung der Produktion des TWIKE nach Deutschland.

Ab 2002 erfolglte die Fertigung des TWIKEs ausschließlich in Deutschland. Seit Markteintritt sind ca. 1050 TWIKEs auf den Straßen unterwegs. Es werden im Schnitt pro Woche zwei komplette TWIKE Fahrzeuge konfiguriert und maßgeschneidert gefertigt. Ein Kernteam bestehend aus derzeit 15 Spezialisten feilt zudem an der Weiterentwicklung der Modelle. Parallel werden die Serviceleistungen beständig ausgebaut und verbessert.

Auf den Spuren des Erfolgs

Um seine Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, nahm das TWIKE an verschiedenen Challenges teil. Gleich die erste große Challenge mit dem TWIKE 3 wurde zum Riesenerfolg. Eine Gruppe von TWIKEs fuhren 1998 innerhalb von 8 Wochen von Bern über das Baltikum zum Nordkap.

Das war die bis dato längste Strecke, die ein Elektromobil bis zu diesem Zeitpunkt zurück gelegt hatte. Am 1. September 1998 erreichten sie nach 10.000 km Fahrt das Nordkap. Dieser Erfolg wurde im Jahr 2000 mit einem Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde geehrt.

Ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des TWIKE war die Teilnahme an der World Solar Challenge 2007 in Australien. Downunder holte sich das TWIKE-Team den Sieg nach 3.000 km Fahrt von Darwin nach Adelaide.

Weitere Höhepunkte wurden 2010 mit dem TWIKE 4 und dem 3. Platz beim Automotive X-Prize erreicht. An dieser Challenge nahmen 136 Teams aus der ganzen Welt teil. 2011 und 2012 feierte das TWIKE 4 weitere Challenge-Erfolge mit der Teilnahme an der „Wave 2011“, der „e-miglia 2012“ und der „Wave 2012“. In Vorbereitung auf die Teilnahme am X-Prize entstand der neue Prototyp, das TWIKE 4.

Freude über den Sieg bei der WAVE 2012. Let's TWIKE!

Freude über den Sieg bei der WAVE 2012. Let’s TWIKE! Foto: FINE Mobile GmbH

Seit zwei Jahrzehnten ist das TWIKE 3 nun schon unterwegs und nimmt jedes Jahr an Events, wie der Lipsia-emotion oder der eRUDA teil. Mitte September (20./21.2016) wird das TWIKE 3 als Ambassador Light Electric Vehicle (LEV) SummitCOP 22 nach Barcelona zur LEV aufbrechen. Anschließend geht es nach Marokko zum Klimagipfel COP 22 nach Marrakesch.

Höchstleistung und Reichweitenrekorde

Mit der Teilnahme an den Challenges wuchs nicht nur die Fangemeinde, sondern stieg auch die Aufmerksamkeit für die TWIKEs. Das beflügelte das Team und gab Ansporn, noch leistungsfähigere TWIKEs zu konstruieren.

Das TWIKE 3 erzielt Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 85 km/h. Das TWIKE 4 fährt bis zu 120 km/h. Die neue Generation TWIKE 5 wird Höchstgeschwindigkeiten zwischen 120 und 200 km/h erreichen, in Abhängigkeit der Anzahl der verwendeten Batterien.

Durch kontinuierliche Verbesserungen am TWIKE und die Verwendung von neuesten Technologien gelangen außerdem beständige Reichweitenrekorde. War man 2005 noch stolz auf 100 km Reichweite, die dank neu entwickelter Akkus erzielt worden sind. Wurden 2007 bereits Reichweiten von 200 km verbucht dank des Einsatzes neuster LION Akkus. Zudem entfiel die aufwendige Akkupflege.

Mit der Teilnahme an der 1. eRUDA im Jahr 2013 erreichte das TWIKE 4 einen weiteren Reichweitenrekord. Mit seinem Serien-Akku fuhr es 510 km und siegte noch vor dem Tesla Roadster, der zu dem Zeitpunkt beachtliche 418 km schaffte.

Der neueste Reichweitenrekord wurde letztes Jahr im Sommer 2015 erzielt. Das TWIKE 3 der neuesten Generation fuhr in einem Atemzug, d.h. ohne eine einzige Zwischenladung von Rosenthal nach Putbus auf Rügen. Es legte damit eine Stecke von  613 km ohne Ladepause zurück.

Reichweitenrekord des TWIKE im Jahr 2015

Neuer Reichweitenrekord bei der Fahrt von Rosenthal nach Putbus auf Rügen. Let’s TWIKE! Foto: FINE Mobile GmbH

Neue Generation TWIKE 5 am Start

Mit dem TWIKE 4 ist ein leistungsstarker alltagstauglicher Prototyp entstanden. Doch mit einer Reihe weiterer Verbesserungen steht das TWIKE 5 – eine neue Generation von TWIKEs am Start. Für die Serienfertigung wurden erste Hürden bereits genommen. 2014 erhielt das TWIKE seine EU-Zulassung. Das bedeutet, eine Zulassung des Emobils ist in ganz Europa möglich.

Neue Generation TWIKE 5 am Start. Prototyp Foto: FINE Mobile GmbH

Neue Generation TWIKE 5 am Start – Prototyp. Foto: FINE Mobile GmbH

Ein weiterer Meilenstein war die Finanzierung des Baus eines Fahrererprobungsträger, der für die Erprobung des Fahrverhaltens nötig ist. Nun fehlen noch 1,6 Mio. Euro an Startkapital, um in Serie zu gehen.

Sobald das Geld beisammen ist, kann die Serienfertigung der auf 500 TWIKE 5 limitierten Serie bereits kommendes Jahr 2017 starten. Gelingt die Finanzierung bis dahin, steht auch schon die nächste große TWIKE Tour an. Geplant ist die erneute Umrundung von Island. Dazu sind alle TWIKE 5 und TWIKE 3 Fahrer herzlich eingeladen.

Let’s TWIKE!

 


 

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Quellen: TWIKE

Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für Akteure der grünen Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.