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Das unangetastete Potential der Wärmewende

Auch wenn dieser Punkt von den großen Energieversorgern in ihren freundlichen Werbespots gerne unterschlagen wird, so ist die „Wärmewende“ doch ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Eigentlich sogar der wichtigste.

Laut Bundesumweltministerium (BMUB) wird 40 Prozent des Energieverbrauches nämlich durch den Gebäudesektor verursacht. Von diesen 40 Prozent fallen über 85 Prozent beim Heizen und der Warmwasserbereitung (Dusche, etc.) an.

Warum also fristet die Wärmewende trotzdem solch ein Schattendasein? Bei dem Thema Energiewende denken die meisten sicherlich zuerst an den Strommarkt, Atomstrom, Windenergie und vielleicht noch Solarstrom.

Das Gelingen der Energiewende ist jedoch auch von Energieeinsparungen in dem Bereich Wärme abhängig.

Viele Experten sind sich einig: Die Wärmewende muss stärker vorangetrieben werden, um die angestrebten Klimaschutzziele auch nur annähernd erreichen zu können.

Was genau ist die Wärmewende?

Im Zuge einer umfassenden Wärmewende soll die Wärmeversorgung langfristig komplett auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. Genauso notwendig ist dabei auch die grundsätzliche Verringerung des gesamten Wärmebedarfs überhaupt. Effizienzmaßnahmen am Gebäude, wie etwa Wärmedämmungen, Heizungsmodernisierungen und Solarunterstützung, können den grundsätzlichen Wärmebedarf im Gebäude erheblich verringern und die Wärmeerzeugung klimafreundlicher machen.

Wollen wir die Erde vor der Erderwärmung schützen, so müssen die Treibhausgas-Emissionen massiv gesenkt werden. Auf der Klimakonferenz in Paris, die Anfang Dezember 2015 stattfand, wurde von der globalen Staatengemeinschaft gemeinsam das Ziel formuliert: Die Erderwärmung auf erheblich unter 2 Grad Celsius zu beschränken. Eine Erderwärmung von etwa 1,5 Grad scheint schon gar nicht mehr aufzuhalten zu sein.

Die Wärmewende in den eigenen vier Wänden kann für das Erreichen dieses Zieles ein nicht unerheblicher Hebel sein.

Neben dem ökologischen Aspekt der Wärmewende kommt noch der finanzielle hinzu: Tatsächlich lässt sich nämlich der Energieverbrauchs eines jeden Haushalts auf eine reale Währung ummünzen – den Euro. Wer also Heizenergie einspart, der spart letztendlich nicht weniger als bares Geld ein. Es steht außer Frage, dass praktisch jeder vom Einbau moderner Heizungen und Dämmungen profitieren würde. Es handelt sich dabei eben um eine Investition.

Das Potential der Wärmewende

Pro Haushalt lässt sich der Energiebedarf wie folgt aufteilen: Die Energie wird für Raumwärme, für Warmwasserbereitung und für elektrische Anwendungen benötigt. Die letztgenannten Elektrogeräte machen insgesamt jedoch nur etwa 15 Prozent des privaten Energiebedarfs aus. Die übrigen 85 Prozent fallen alleine auf die Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser. Wenn also irgendwo CO2 und Geld gespart werden kann, dann im Wärmesektor.

Laut BDEW sind rund 36 Prozent aller deutschen Heizungen älter als 20 Jahre. In absehbarer Zeit müssen diese also ohnehin erneuert werden. Ein Umstieg auf das energieeffiziente Heizsystem der Brennwerttechnik bietet sich hier also an. Mehr als ein Drittel der Heizungen in Deutschland sind alt bis sehr alt, und damit energetisch ineffizient. Was für ein riesen Energiesparpotential.

Strom vs. Wärme – Beispielhafte Betrachtung

Nehmen wir uns mal ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einem Energiebedarf von 35.000 Kilowattstunden pro Jahr vor. (Wohnfläche ist hier in etwa 150 Quadratmeter, bei 4 Personen und einem Baujahr von etwa 1977.)

Ökologische Betrachtung

Eine Kilowattstunde (kWh) aus deutschem Strommix verursacht derzeit (2015) durchschnittlich etwa 600 Gramm Kohlendioxid (CO2). Das heißt bei einem Energiebedarf von 35 Tsd. kWh/a ergibt sich durch Strom etwa CO2-Emissionen von 3.150 kg.

Eine kWh aus Heizöl emittiert durchschnittlich etwa 260 Gramm CO2. Das heißt in unserem Beispiel werden jährlich 7.700 kg CO2 für das Heizen mit der Ölheizung frei gesetzt. Für diesen CO2-Ausstoß können Sie übrigens auch über 50 Mal mit dem Auto von Flensburg nach München fahren.
(950 km * 150 g CO2 = 142 kg CO2 pro Fahrt)

Eine kWh aus Erdgas emittiert immer noch durchschnittlich 200 Gramm CO2. Das bedeutet es kommt in unserem Beispiel jährlich zu einer CO-Emission von 6.000 kg.

Gas und Öl verbrennen sauberer als Strom. Das liegt vor allem daran, dass im deutschen Strommix z.B. noch viel Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken enthalten ist. Jedoch ist der Anteil an verbrauchter Energie, also die einzelnen kWh, bei der Wärmeerzeugung wesentlich höher. Sie machen eben 85 Prozent des Energieverbrauches.

Insgesamt ist das ökologische Potential bei Energieeinsparungen im Wärmebereich also doppelt so groß.

Finanzielle Betrachtung

Bei einem Strompreis von 28 Cent pro Kilowattstunde fallen in unserem Durchschnitts-Beispiel also 1.470 Euro Stromkosten pro Jahr an.

Die Wärmeversorgung mit einer Ölheizung kostet bei einem durchschnittlichen Ölpreis von 7,9 Cent pro Kilowattstunde etwas mehr als 2.350 Euro pro Jahr.

Mit Gas sind es noch etwa 2.150 Euro jährlich.

Wärme ist im Vergleich zu Strom sehr günstig. Doch wegen des höheren, anteiligen Verbrauches fällt der Großteil der gesamten Kosten doch auf die Wärme zurück. Für Wärme zahlt man in der Regel einiges Mehr als für den Strom.

Was ist das Problem der Wärmewende?

Dieses Beispiel soll keine „Schönrechnung“ sein. Alle angenommen Werte und Verbräuche sind realistisch und möglichst nahe an der durchschnittlichen Realität gewählt.

Warum wird hier also nicht mehr getan?

Um mit Energieeffizienz und der Wärmewende Geld sparen zu können, muss erst mal welches ausgegeben werden. Um die Investition kommt leider niemand herum. Aufgrund des Einsparpotentials haben sich die üblichen Investitionen in eine Gebäudesanierung aber bereits meist nach wenigen Jahren amortisiert. Zu den einfachsten und günstigsten Sanierungen gehören, der Umstieg auf Brennwertheizungen und die Dämmung der obersten Geschossdecke eines Hauses.

Finanzieller Überblick

Bei einer Brennwertheizung sollte man mit Kosten von 6.000 bis 9.000 Euro rechnen. Ölheizungen sind dabei stets teurer als Gasheizungen. Eine Brennwertheizung nutzt die Wärme der eigenen Abgase, um die Rücklauftemperatur des Heizwassers zu erhöhen. Solche effizienten Heizungssysteme sparen gegenüber einer alten Heizwertanlage zwischen 10 und 20 Prozent der bisherigen Heizkosten ein. Die durchschnittliche Amortisationszeit liegt zwischen 6 und 10 Jahren.

Um gleichzeitig den Wärmebedarf des Eigenheims zu senken, empfiehlt sich mindestens eine Dämmung der obersten Geschossdecke. Die üblichen Kosten liegen hierbei in der Regel zwischen 1.500 und 3.500 Euro. Die Amortisationsdauer beträgt meist 3 bis 6 Jahre. Besitzt Ihr Haus ein zweischaliges Mauerwerk, dann kann auch hier eine günstige Einblasdämmung eingebracht werden. Die Kosten liegen meist zwischen 2.000 und 7.000 Euro, sodass sich das Ganze nach 4 bis 8 Jahren amortisiert hat. Mit einer Dämmung können Sie im Allgemeinen zwischen 15 und 25 Prozent Ihrer Heizkosten einsparen.

Ganz besonders lohnenswert sind Sanierungsmaßnahmen immer dann, wenn ohnehin Arbeiten am Gebäude anfallen. Also wenn die Heizung ohnehin erneuert werden muss, sollte man auf Brennwerttechnik umsteigen. Wenn das Dach neu eingedeckt werden muss, lohnen die Mehrkosten für eine zusätzliche Dachdämmung enorm.

Außerdem: Staatliche Förderung als Teil der Wärmewende

Um die Wärmewende für Privatpersonen noch attraktiver zu gestalten, spendiert der Staat für jede Modernisierung zwischen 3.000 und 7.500 Euro an Zuschüssen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt dabei die Erneuerbaren Energien, während die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) alle übrigen Heizungs- und Dämmungsprojekte fördert.

Fazit – Mit der Wärmewende zur Energiewende

Wenn in unseren Gebäuden etwa 85 Prozent unseres täglichen Energiebedarfs für die Bereitstellung von Wärme benötigt wird, dann ist es mehr als offensichtlich, dass selbst die einfachsten und kleinsten Maßnahmen primär in diesem Bereich umgesetzt werden sollten.

Schade, dass diesem Umstand nicht mehr Aufsehen zugestanden wird. In den Medien liest, hört und sieht man von der Energiewende meist nur die strombasierten Themen. Atomausstieg, Offshore-Windparks und Stromtrassen durchs ganze Land. Das sind halt die großen Themen, die, über die viel in der Politik und daher in den Medien diskutiert wird. Über die Potentiale im eigenen Heizungskeller erfährt man nur sehr wenig.

Für einen großen Teil des Energieverbrauches und der CO2-Emission sind wir selbst, in unseren eigenen vier Wänden zuständig. Mit mehr Umweltbewusstsein kann hier jeder viel für die Energiewende und den Klimaschutz tun. (Für seinen Geldbeutel allemal.)

Nicht nur über die Energiewende reden, sie selber gestalten – in energieeffizientem Wohnen und Leben liegt ein großer Schlüssel dafür.

 

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Kurzer Hinweis der Redaktion:

Die energieheld GmbH hat aktuell ihre Crowdfunding-Kampagne bei Companisto gestartet. Wenn auch Du zum Energiehelden werden möchtest, gibt es die Möglichkeit sich zu beteiligen. Weitere Informationen zur Kampagne findest Du unter: www.companisto.com/energieheld

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Stephan Günther

Stephan Günther (32, Dipl. Ök.) ist leitender Online-Redakteur für das unabhängige Informations- und Beratungsportal www.energieheld.de aus Hannover. Ziel dieses Startups ist es, die Energiewende in Deutschland ein Stück weit mit voranzubringen. Zu diesem Zwecke informiert und berät energieheld kostenlos zum Thema „energetische Gebäudesanierung“. Bei Interesse können entsprechende Fachbetriebe vermittelt werden. Nebenbei ist Stephan Günther in dem Netzwerk für Energiewende, den Energiebloggern, tätig.