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Dank Umweltbonus neuer Antrieb für die Elektromobilität?

Kommt die Elektromobilität nun endlich in Fahrt?

Die Förderung der Elektromobilität in Deutschland ist beschlossene Sache. Am 18. Mai 2016 hat das Bundeskabinett seinen Beschluss zur Förderung der E-Mobilität nach Vorlage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefasst. Jeder Käufer eines Elektrofahrzeugs erhält für den Kauf eines rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugs eine Prämie von 4.000 Euro. Hybrid-Fahrzeuge werden mit 3.000 Euro bezuschusst, wenn sie sich per Stecker (Plug-In) aufladen lassen. Von der Förderung ausgeschlossen sind Luxuswagen deren Netto-Listenpreis über 60.000 Euro liegt.

Förderanträge beim BAFA stellen

Wann die Förderung genau in Kraft tritt, ist derzeit noch nicht bekannt. Derzeit wird die Förderrichtlinie von der EU-Kommission geprüft. Erst wenn sie alle Voraussetzungen erfüllt und die Genehmigung vorliegt, erfolgt eine Veröffentlichugn im Bundesanzeiger. Ab dem Zeitpunkt kann eine Förderung erfolgen.

Nach entsprechender Freigabe können alle am Kauf eines Elektrofahrzeuges Interessierten sich über die Förderrichtlinien informieren und eine Förderung bei der BAFA, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragen. Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine. Die Voraussetzung für die Förderung ist, dass es sich um die Zulassung eines Neufahrzeuges handelt. Zudem muss das Fahrzeug mindestens neun Monate im Besitz seines Käufers sein.

1 Mrd. Euro für die Förderung der Elektromobilität

Im Fördertopf sind insgesamt 1 Mrd. Euro. Bis zu 600 Millionen Euro werden direkt ausgezahlt. Das Programm endet 2019 oder bereits vorher, sobald der Topf leer ist. Das Geld für die Förderung stammt aus dem Energie- und Klimafonds, der vom Bundeswirtschaftsministerium verwaltet wird. Die Automobilindustrie beteiligt sich ebenfalls zur Hälfte an jeder Prämie.

Insgesamt sollen so rund 400.000 neue Elektrofahrzeuge mit der Förderung auf die Straßen gebracht werden. Neben der reinen Förderung der E-Fahrzeuge gibt es ebenso eine Förderung für die Ladeinfrastruktur. Insgesamt 15.000 neue Ladestellen sollen deutschlandweit errichtet werden. Von 2017 bis zum Jahr 2020 sind dafür rund 300 Millionen Euro vorgesehen.

Der enercity-Fonds proKlima unterstützt  bereits seit Anfang des Jahres die Errichtung von Ladestationen. Dies lässt sich nun gut mit der geförderten Neuanschaffung eines E-Fahrzeugs verbinden. “Aus unserer Sicht ist der Ausbau der E-Mobilität nur erfolgreich, wenn die Beladung der E-Mobile mit Strom aus erneuerbaren Quellen erfolgt. Deshalb fördert proKlima intelligente Ladesäulen, die ermöglichen, gezielt erneuerbaren Strom einzusetzen“, so proKlima-Geschäftsstellenleiter Harald Halfpaap. Eine Ladestation in einem Haushalt wird mit 500 Euro gefördert. Unternehmen und Institutionen können eine Förderung für maximal fünf Ladestationen beantragen.

Weitere Anreize sind geplant. Dazu zählen Steuererleichterungen. Käufern von Elektrofahrzeugen sollen über einen Zeitraum von 10 Jahren von der KfZ-Steuer befreit werden. Das gilt bereits für Neuanschaffungen, die seit 1. Januar 2016 getätigt wurden.

 

Aktueller Stand: 25.500 Elektrofahrzeuge von 45 Mio. Pkws insgesamt

Das eine Förderung nötig ist, bestätigen jeden Monat die Zulassungen des Kraftfahrt-Bundesamtes. Die Zulassung von Elektrofahrzeugen ist verschwindend gering. Damit ist die Bundesregierung von ihrem Ziel, „zum Leitmarkt für Elektromobilität zu werden“, derzeit noch meilenweit entfernt.

SPD und Union haben sich in ihrem Koalitionsvertrag 2013 auf das Ziel verständigt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Zu Jahresbeginn 2016 waren gerade einmal 25.500 Elektrofahrzeuge und 130.000 Hybride zugelassen von 45 Millionen Pkws insgesamt.

Norwegen klarer Vorreiter in Sachen Elektromobilität

Das eine gezielte Förderung zum Erfolg führen kann und neuen Konzepten, Technologien zum Durchbruch verhilft, ist bekannt. Im Bereich Elektromobilität ist bislang jedoch nicht sonderlich viel passiert im Vergleich zur Förderung der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.

In Sachen Elektromobilität ist Norwegen anderen Ländern der EU eine Nasenlänge voraus. Sie haben bewiesen, wie sich mit gezielten Fördermaßnahmen die Elektromobilität in Gang bringen lässt. Elektrofahrzeuge genießen in Norwegen klare Vorteile, während Pkws mit Verbrennungsmotoren gleichzeitig benachteiligt werden. Das hat die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen angeregt.

Mit ihrer konsequenten Förderpolitik wurden den Käufern von Elektrofahrzeugen klare Signale gegeben und sie zum Kauf eines Elektrofahrzeuges annimiert. Norweger, die im Besitz eines Elektrofahrzeuges sind, profitieren nicht nur von Steuervorteilen. Sie dürfen auch in Innenstädten kostenfrei parken, auf der Busspur fahren und sind von Mautgebühren befreit. Dagegen zahlen die Besitzer von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor höhere Steuern.

Inzwischen zählt das Land rund 80.000 Elektrofahrzeuge von insgesamt 2,64 Millionen Pkws. Ein Viertel Norwegens Autos fährt mit Elektroantrieb. Das dieses Modell nicht ohne weiteres in Deutschland kopiert werden kann, weiss Prof. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Dafür stehen in Deutschland andere Möglichkeiten offen. Fakt ist, ganz ohne Förderung wird es nicht gehen, damit die Elektromobilität auch hierzulande in Gang kommt.

Fazit

Mit dem Umweltbonus für Elektrofahrzeuge steht nun endlich auch ein Förderprogramm für die Elektromobilität als weiterer Stellschraube für die Energiewende bereit. Die Bundesregierung besinnt sich dabei auf ihren  Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität und fördert gezielt den Ausbau der Elektromobilität durch Kaufanreize, Steuervorteile und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Ob die Förderpolitik zum Erfolg führen wird und damit die Elektromobilität nun auch in Deutschland in Schwung kommen wird, lässt sich allerdings erst nach Anlaufen der Förderung beurteilen.

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Quellen: BEM e.V. golem , emobilserver ,

Katja Reisswig

Katja Reisswig ist promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin des branchenübergreifenden B2B-Portals technewable.com für Akteure der grünen Wirtschaft. Ziel des Portals ist, grüne Lösungen und Technologien bekannter zu machen, grüne Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und den Transfer hin zu einer grünen Wirtschaft kommunikativ zu begleiten.