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Berlin-Climathon: Drei grüne Herausforderungen für Berlin

Climathon: In 24 Stunden grüne Lösungen erarbeiten

Vor kurzem fand weltweit der diesjährige Climathon 2016 statt. Es ging darum innerhalb von 24 Stunden Lösungen zu verschiedenen Herausforderungen zu erarbeiten, die mehr Klimaschutz, eine verbesserte Kreislaufwirtschaft und Energiereduzierung bringen. In diesem Jahr nahmen Interessierte aus insgesamt 59 Städten auf sechs Kontinenten teil. Weltweit austauschen konnten sich die kreativen Köpfe über Skype und Twitter. Initiator des Climathons ist alljährlich Climate KIC, die größte europäische Initiative für klimafreundliche Technologien.

Im InfraLab auf dem Berliner Euref-Campus arbeiteten insgesamt 28 Interessierte, unter ihnen auch viele Studenten, aus 12 verschiedenen Ländern an drei Fragestellungen:

  • Wie sieht eine „Zero-Waste-Schule“ aus?
  • Wie kann Hausmüll mit weniger Fahrten abgeholt werden?
  • Was bringt Moabits Pendler dazu, vermehrt auf Fahrräder umzusteigen?

Die Herausforderungen haben wir mit unseren Partnern in Berlin entwickelt, hier unter anderem BSR, Veolia, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, dem Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) und dem Fachgebiet CHORA city & energy der TU Berlin. Auch haben wir bei Interessierten herumgefragt, welche Themen die Berliner beim Klimaschutz besonders spannend finden.

Los ging es an einem Freitag morgen damit, dass die Berliner Teilnehmer sich in sieben Teams aufteilten. Zuerst bekamen sie Input zu ihrer Fragestellung. Dann entwickelten sie zusammen mit Business Coaches und Experten aus dem Energie- und Kreislaufwirtschaftsbereich die ganze Nacht über Lösungen an Laptops und Flipcharts. Wer wollte, konnte in mitgebrachten Schlafsäcken oder auf Isomatten zwischendurch einen Powernap halten. Auch gemeinsame Bewegungsübungen und Spiele sorgten immer wieder für neue Energie.

Ein transparenter Mülleimer für weniger Abfall an Schulen

Nach mehreren Inputs zum Thema Müllvermeidung und Umweltbildung diskutierten die Teilnehmer der Challenge „Zero-Waste-Schule“, welche Art von Müll an Schulen überhaupt entsteht. Daraus ergaben sich weitere Fragen:

  • Wodurch werden Schüler motiviert, überhaupt weniger Müll mitzubringen?
  • Wie kann eine Schule auch ihren eigenen Müll vermeiden?

Einig waren sich die Teilnehmer_innen darin, dass Verbote nicht viel bringen. An die Aufgabe, Müll zu reduzieren, sollte spielerisch herangegangen werden. Im Raum standen Ideen für entsprechende Apps oder auch Wettbewerbe. Zu Beginn sollte ein transparenter Mülleimer zum Einsatz kommen, der Schülern und Lehrern zeigen könnte, wie viel Müll sie tatsächlich produzieren. Diese Idee entsprach dann ganz dem vom Team gesetzten Leitspruch, nämlich „See-Believe-Act“. Coachin Diane Brüggemann erklärt es so: „Nur wer erkennt, dass es ein Problem gibt, handelt auch.“

Effizientere Müllabfuhr mit nur vollen Tonnen

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) will es wissen: Wie kann man Müll-Abholung noch besser organisieren? Das Thema mag nicht auf Anhieb begeistern. Das Ergebnis der Arbeit aber finden wir dann schon “sauber”. Und die  Logistik ist alles andere als trivial: Müll wird sechsfach getrennt gesammelt: Altpapier, Altglas, Wertstoffe, Bioabfälle und Restmüll – für alles Extra-Mülltonnen, die vor fast jedem Haus abgeholt werden. Lärm dabei will niemand ertragen. Die Fahrzeuge unterschiedlicher Anbieter schieben sich durch Staus.

Das Team “I.M.S.” entwickelte eine Idee, bei der eine Sensortechnik für Mülltonnen den Verkehr flexibler und effizienter gestalten soll. Die Sensoren erfassen, wie voll die Tonne ist und geben diese Info an die BSR weiter. Diese kann dann die Entsorgungsfahrten so organisieren, dass nur volle Tonnen abgeholt werden.

Mehr Pendler aufs Fahrrad bringen mittels Bike Sharing

Im Quartier Berlin Moabit-West wird an einem “smart district” gearbeitet: Um Autos von der Straße und aus dem dichten Verkehr zu holen. Fahrräder sind eine nicht nur die Gesundheit fördernde Lösung. Besitzen muss man sie nicht, um sie zu fahren. Jedoch muss man sich erst einmal draufsetzen. Und genau darum drehte sich die dritte Challenge: Wie lockt man Moabits Bürger und Pendler auf zu teilende Fahrräder und somit in Konsequenz geteilte Fahrräder?

Die Gruppe mit dem Namen „Kommuting Koala“ überzeugte mit der Idee, eine integrierte Reiseplanung zwischen einer Bike Sharing App und dem ÖPNV herzustellen, um den Anreiz für die Nutzung von Bike Sharing zu erhöhen. Aufgebaut werden soll dabei auf die Fahrräder und das Verleihsystem von nextbike.

Fazit:

Der Climathon ist jedes Jahr eine Veranstaltung abseits des üblichen. Wir bringen motivierte und kreative Köpfe zusammen, die unter Zeitdruck arbeiten, aber total viel Spaß an der Sache haben. Über die Zeit entsteht auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Climate KIC hat die entstandenen Ideen gesammelt und wird sie nun auswerten. Die Teilnehmer wollen wir auf Programme von Climate KIC aufmerksam machen – so beispielsweise auf das Pre-Inkubatoren-Programm „greenhouse“. Und natürlich wünschen wir uns, dass die beim Climathon entwickelten Ideen bei den Partnern aufgegriffen werden und der eine oder andere Ansatz seinen Weg in die Praxis findet.

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Julia Milbredt

Julia Milbredt arbeitet seit Juni 2013 als Education Managerin für Climate-KIC. Sie kümmert sich um die Konzeptionierung und Durchführung von Bildungsprogrammen im Kontext Klimawandel, darunter die Summer School The Journey und Workshops für Berufstätige aus dem städtischen Bereich und der Wirtschaft. Sie studierte Anglistik, Wirtschaft und Hispanistik mit dem Fokus Intercultural Management an der Universität Kassel.