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Im Interview mit Autoren: „6 Fragen und 6 Antworten“ – Thema: Green Controlling

Technewable im Gespräch mit Autoren

Technewable spricht in der Autoren-Interviewreihe „6 Fragen und 6 Antworten“ mit Autoren. In ihren Büchern haben sie sich intensiv mit einem grünen Thema befasst. Wir wollen wissen, mit welchen Themen sie sich beschäftigt haben, was sie dazu angetrieben hat und zu welchen Erkenntnissen sie gelangt sind.

Technewable sprach mit Matthäus Schüle über sein Buch:

„Green Controlling. Die Integration der Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung“

1. Frage: Herr Schüle, warum haben Sie sich mit der Thematik „Green Controlling“ beschäftigt? Was hat Sie an dem Thema besonders interessiert?

Bevölkerungswachstum, Globalisierung, Rohstoffknappheit und Klimawandel stellen die Unternehmensführung vor immer größere Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Unternehmen schlecht beraten sind, wenn sie das Thema Nachhaltigkeit in der strategischen Ausrichtung vernachlässigen.

Viel zu oft wurde die ökologische Unternehmensausrichtung in der Vergangenheit ausschließlich mit Zusatzkosten verbunden. Oftmals ist das Gegenteil jedoch der Fall. Ressourceneinsparende Produktionstechniken, innovative neue Produkte und ein umweltbewusstes Wirtschaften kommen auf lange Sicht gesehen nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern wirken sich auch positiv auf das Unternehmensimage und das Betriebsergebnis aus.

2. Frage: Worum geht es in Ihrem Buch genau? Können Sie kurz die Fragestellung und Zielsetzung Ihrer Arbeit skizieren?

Getreu dem Motto „What gets measured gets done“ benötigt die Unternehmensführung in Zukunft deshalb ein Instrumentarium welches es ihr erlaubt, das Thema Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung zu integrieren. Ein solcher Ansatz stellt das in Anlehnung an das Controlling-Prozessmodell der „International Group of Controlling“ (IGC) erarbeitet Green-Controlling dar.

Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es aufzuzeigen, wie mit Hilfe des Green-Controlling-Ansatzes die Nachhaltigkeitsthematik in die Unternehmenssteuerung verankert werden kann. Hierzu werden an Hand zahlreicher Praxisbeispiele neben einer nachhaltigen strategischen und operativen Planung, ein „grünes“ Investitions- und Projektcontrolling, die Umweltkostenrechnung und ein nachhaltiges Management-Reporting vorgestellt.

3. Frage: Was sind zentrale Begriffe Ihrer Arbeit? Können Sie kurz erläutern, was genau mit Green Controlling gemeint ist?

Unter Green Controlling versteht man die Erweiterung von Aufgaben, Prozessen und Instrumenten des Controllings zur ökologischen und ökonomischen Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten. Diese Definition wird dem von Weber geprägten ökonomischen Tripple-Bottom-Line-Ansatz gerecht, der auf der Grundannahme basiert, dass kein Unternehmen einen ökologisch nachhaltigen Beitrag leisten wird, wenn sich dieser nicht auch finanziell für das Unternehmen lohnt.

Die Implementierung eines Green Controllings gelingt jedoch nur, wenn auch die Unternehmensstrategie nachhaltig ausgerichtet ist. Für die Definition einer solchen eignet sich das von Nidumolu entworfene Fünf-Stufen-Model zum nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Beginnend mit dem Vorsatz allgemeine ökologische Standards zu übertreffen und die Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten, wird in Stufe drei die Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten forciert. In Stufe vier werden Unternehmen dann dazu angehalten, neue ökologische Geschäftsmodelle einzuführen die in der letzten Stufe als Ausgangspunkt für neue Märkte dienen.

4. Frage: Welche Ansätze und Methoden haben Sie für Ihre Arbeit verwendet?

Wie eingangs bereits erläutert basiert das von mir beschriebene Green Controlling auf dem vom „International Group of Controlling“ entworfene Controlling-Prozessmodell. Dessen Hauptprozesse können zu drei großen Gruppen zusammengefasst werden. Zunächst müssen ökologische Sachverhalte in der Planung berücksichtigt werden. Anschließend gilt es diese Informationen mittels geeigneter Controllinginstrumente zu verarbeiten und zu analysieren. Im letzten Hauptprozess erfolgt die Darstellung der aufbereiteten Daten in verständlicher Form.

Zur Wahrung der Übersichtlichkeit wurde jeder Green Controlling-Hauptprozess nach dem gleichen Schema abgebildet. Dieses setzt sich aus dem Prozessanfang und dem Prozessende, dem Prozessinput- und -Output sowie verschiedenen Teilprozessen/Abläufen zusammen. Als „Prozessanfang“ sind in diesem Zusammenhang all jene Ereignisse zu verstehen, die eine Prozessdurchführung auslösen (z.B. die Definition von Nachhaltigkeitsschwerpunkten). Der Begriff „Prozessende“ bezeichnet hingegen die Ereignisse, die den Abschluss eines Prozesses bestimmen. Hierunter fällt z.B. die Verabschiedung von ökologischen Zielen.

5. Frage: Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Allgemein bleibt festzuhalten, dass die strategische Relevanz der Nachhaltigkeitsthematik eindeutig mit dem Stand der Umsetzung des Green Controllings korreliert. Unternehmen die der Nachhaltigkeit eine große Bedeutung in der Unternehmensstrategie beimessen, besitzen auch das am weitesten ausgebaute Green Controlling. Auch zeigte sich, dass der größte interne Handlungsdruck zur nachhaltigen Unternehmensausrichtung von der Geschäftsführung ausgeht. Von den externen Stakeholdern waren es vor allem Nichtregierungsorganisationen, die die Begrünung von Unternehmensaktivitäten forderten.

Im Zusammenhang mit dem Green Controlling-Prozessmodell ergab sich, dass die Definition von nachhaltigen Themenschwerpunkten, wie es z.B. die strategische Planung vorsieht, Unternehmen recht schnell in eine „ökologische Ecke“ drängt und ihnen die Flexibilität entzieht auch auf aktuelle Umweltthemen zu reagieren.

Darüber hinaus fiel auf, dass es noch immer keine standardmäßigen grünen Kennzahlen gibt und weiterhin Mess- und Bewertungsprobleme bestehen. Trotz des Umstands, dass der Nachhaltigkeitsthematik eine hohe strategische Relevanz beigemessen wird, scheint eine nachhaltige Unternehmessteuerung jedoch noch immer nicht (vollständig) in der Praxis angekommen zu sein. Innovative Produkte, Kosteneinsparungen durch verbesserte Ressourceneffizienz und das Erschließen neuer Kunden und Märkte sind jedoch gewichtige Gründe, diesen Missstand zu beseitigen.

6. Frage: Was meinen Sie, sind die drei wichtigsten Schlussfolgerungen aus Ihrer Arbeit?

Nur mit Hilfe eines Ansatzes wie dem Green Controlling wird es in Zukunft möglich sein, die relativ schwer greifbare Thematik der Nachhaltigkeit auf Dauer in der Unternehmensstrategie zu verankern. Hierzu bedarf es auf lange Sicht gesehen eines allgemein anerkannten Fachterminus, sowie ein grünes Kennzahlensystem um der Bewertungsproblematik Herr zu werden. Ungeachtet dessen werden Unternehmen jedoch nur dann den Aufwand der Einführung eins Green Controllings betreiben, wenn sich ein solches auch finanziell für sie lohnt.

 


 

Das Buch Green Controlling. Die Integration der Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung ist als Bachelor-Abschlussarbeit beim Grin Verlag erschienen:

ISBN (eBook): 9783668070516 / ISBN (Buch): 9783668070523

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Matthäus Schüle

Über den Autor:

Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium im Jahr 2008 begann Herr Schüle eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank. Anschließend absolvierte er ein Bachelor-Studium an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein mit dem Schwerpunkt Controlling. Seit dem Wintersemester 2014 macht Herr Schüle seinen Master in Finance and Account und arbeitet neben dem Studium im Konzern- und Geschäftsfeld-Controlling bei einem Energieversorgungsunternehmen in Mannheim.